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Mehrgenerationen­haus: gemeinsam leben und voneinander profitieren

10 Min.

Schritte im Flur, Kinder, die nach der Schule kurz hereinschauen und jemand, der fragt, ob man etwas vom Einkaufen braucht: In einem Mehrgenerationenhaus entsteht ein lebendiges Miteinander, in dem kleine Begegnungen den Alltag bereichern. Viele ältere Menschen schätzen diese Nähe ebenso wie junge Familien, die sich mehr Unterstützung im Wohnumfeld wünschen. Deshalb gewinnt das Mehrgenerationenhaus als modernes Wohnmodell zunehmend an Beliebtheit.

In diesem Artikel erfahren Sie, was ein Mehrgenerationenhaus ausmacht, welche Varianten es gibt und warum das Zusammenleben für alle Parteien wertvoll sein kann.

Bettina Gruber
Lifta Magazin Autorin

Was ist ein Mehrgenerationen­haus?

Ein Großvater sitzt mit seinen beiden Enkeln am Tisch und spielt mit ihnen Schach

Ein Mehrgenerationenhaus ist ein Wohnmodell, in dem zwei oder mehr Generationen unter einem Dach zusammenleben. Dabei handelt es sich meist um eine Familie – Kinder, Eltern und Großeltern –, die sich im Alltag gegenseitig unterstützen und dennoch ihre eigenen Wohnbereiche behalten. Diese Kombination aus eigenen Rückzugsorten und gelebtem Miteinander macht das Mehrgenerationenhaus für viele Familien attraktiv. Im Gegensatz zu einem Pflegeheim oder betreutem Wohnen richtet sich das Mehrgenerationenhaus nicht ausschließlich an ältere Menschen.

Es handelt sich auch nicht um ein professionelles Versorgungsmodell, sondern um eine Wohnform, die auf Freiwilligkeit, gegenseitiger Hilfe und einem gemeinsamen Alltag basiert. Auch vom sogenannten Generationenwohnen unterscheidet sich das Konzept: Dort stehen häufig größere gemeinschaftliche Wohnprojekte im Vordergrund, während das Mehrgenerationenhaus in der Regel familiär geprägt ist.

Wohnmodelle im Überblick

Für ein Mehrgenerationenhaus gibt es keine feste Definition. Es handelt sich vielmehr um einen Oberbegriff für verschiedene Formen des Zusammenlebens mehrerer Generationen. Alle Varianten haben gemeinsam, dass die Parteien nahe beieinander wohnen und sich im Alltag gegenseitig entlasten können. Je nach Wohnsituation und Bedürfnissen gibt es verschiedene Konzepte:

Familienorientierte Mehrgenerationenhäuser

Bei dieser Form leben mehrere Generationen derselben Familie in einer gemeinsamen Immobilie – häufig unterteilt in zwei oder mehr eigenständige Wohneinheiten. Das kann ein Einfamilienhaus mit separater Einliegerwohnung sein, ein Zweifamilienhaus oder ein umgebautes Mehrfamilienhaus. Jede Generation verfügt über ihren eigenen Bereich. Dazwischen bieten kurze Wege die Möglichkeit, im Alltag unkompliziert füreinander da zu sein. Nähe und Privatsphäre lassen sich so ideal miteinander verbinden.

Gemeinschaftliche Wohnprojekte

Neben familiären Modellen gibt es Wohnprojekte, in denen Menschen unterschiedlichen Alters zusammenleben, ohne miteinander verwandt zu sein. Die Beteiligten planen, kaufen oder mieten eine Immobilie gemeinsam und legen fest, wie sie das Miteinander gestalten möchten. Häufig entstehen so Hausgemeinschaften, in denen jede Partei eine eigene Wohnung nutzt, bestimmte Bereiche jedoch gemeinschaftlich verwaltet werden. Regeln, regelmäßige Treffen und gemeinsame Aufgaben sorgen für klare Strukturen und ein verlässliches Zusammenleben.

Öffentliche Mehrgenerationenhäuser (Begegnungsorte)

Öffentliche Mehrgenerationenhäuser dienen nicht als Wohnort, sondern als Treffpunkte für Menschen aller Altersgruppen. Dort finden Veranstaltungen, Kurse und Beratungsangebote statt, die den Austausch in der Nachbarschaft fördern. Diese Häuser werden häufig von Kommunen oder im Rahmen von Bundesprogrammen unterstützt. Für Familien und Senioren sind sie wertvolle Anlaufstellen, ersetzen jedoch nicht die Vorteile des gemeinsamen Wohnens.

Die Vor- und Nachteile eines Mehrgenerationen­hauses

Gemeinsam unter einem Dach zu wohnen, bietet viele Möglichkeiten – das Konzept stellt Familien jedoch auch vor organisatorische und persönliche Herausforderungen. Im Folgenden zeigen wir Ihnen die wichtigsten Vorteile und mögliche Nachteile im direkten Vergleich.

Vorteile eines Generationenhauses

  • Mehr Nähe im Alltag: Ältere Menschen sind weniger allein und haben regelmäßig jemanden um sich – sei es für ein spontanes Gespräch oder eine gemeinsame Mahlzeit. Ganz nebenbei festigt sich der familiäre Zusammenhalt, da die Enkelkinder unmittelbar mit ihren Großeltern aufwachsen.
  • Entlastung für alle Beteiligten: Sie unterstützen bei der Betreuung der Enkelkinder und müssen im Gegenzug nicht alles im Haushalt allein bewältigen. Ob Einkäufe, kleine Reparaturen oder eine Begleitung zum Arzt – vieles lässt sich ohne großen Aufwand organisieren.
  • Leben im vertrauten Umfeld: Auch wenn sich die persönlichen Bedürfnisse im Alter verändern, können Sie dank der familiären Unterstützung weiterhin selbstständig zu Hause wohnen und den Umzug in ein Pflegeheim verzögern oder vermeiden.
  • Finanzielle Vorteile: Sie können die Fixkosten und andere gemeinsame Ausgaben (Großgeräte, Auto etc.) innerhalb der Familie aufteilen.
  • Nachteile eines Generationenhauses

  • Hoher Abstimmungsbedarf: Gemeinsames Wohnen erfordert deutlich mehr Absprachen als in getrennten Haushalten. Unterschiedliche Erwartungen an Ordnung, Finanzen oder Besuch können zu Konflikten führen, wenn sie nicht frühzeitig geklärt werden.
  • Weniger Privatsphäre: Durch die räumliche Nähe fällt es schwerer, sich vollständig zurückzuziehen. Wer Ruhe oder Unabhängigkeit braucht, kann sich schneller eingeengt fühlen.
  • Konfliktpotenzial durch unterschiedliche Lebensstile: Verschiedene Tagesrhythmen, Lautstärke oder Erziehungsstile können Spannungen verursachen und das Zusammenleben belasten.
  • 3 Tipps zur Planung und Umsetzung

    Ein Mehrgenerationenhaus funktioniert am besten, wenn alle Beteiligten frühzeitig miteinander sprechen und klare Vereinbarungen treffen. So entsteht ein Wohnumfeld, das Nähe ermöglicht und gleichzeitig genügend Freiheit lässt.

    1. Absprachen zu Aufgaben und Finanzen

    Sie sollten gemeinsam festlegen, wer welche Aufgaben übernimmt und wie die Kosten verteilt werden. Dazu gehört zum Beispiel, wer sich um den Garten, die Einkäufe oder Reparaturen am Haus kümmert und wie Sie gemeinsame Ausgaben regeln. Offene Gespräche helfen, Missverständnisse zu vermeiden und eine verlässliche Grundlage für den Alltag zu schaffen.

    2. Rückzugsmöglichkeiten und Privatsphäre

    Auch wenn mehrere Generationen zusammenwohnen, braucht jede Partei einen eigenen Bereich, in dem sie sich wohlfühlt. Klare Abgrenzungen – etwa durch getrennte Wohnbereiche, eigene Badezimmer oder separate Eingänge – erleichtern das harmonische Miteinander. Treffen Sie zusätzlich Vereinbarungen zu Besuchszeiten oder Ruhephasen, um den unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht zu werden.

    3. Gemeinsame Bereiche gestalten

    Flächen, die von allen genutzt werden, sollten gut geplant und an die Bedürfnisse aller Generationen angepasst sein. Dazu gehören häufig die Küche, der Garten oder der Eingangsbereich. Mit Absprachen, zum Beispiel zur Organisation gemeinsamer Mahlzeiten am Abend oder am Wochenende, schaffen Sie Struktur und verschaffen sich und Ihrer Familie einen entspannten Alltag.

    Mehrgenerationen­haus mit den Eltern: gemeinsam wohnen ohne Hindernisse

    Eine junge Frau sitzt mit einer Seniorin am Tisch, sie trinken Kaffee und essen Kekse

    Ein möglichst barrierefreier Wohnraum ist eine wichtige Voraussetzung für ein sicheres und selbstständiges Leben im Mehrgenerationenhaus. Nicht nur Senioren profitieren von einer Umgebung, die den Alltag erleichtert und Sturzrisiken minimiert.

    Auch Familien mit kleinen Kindern kommen stufenlose Wege und breite Durchgänge zugute, zum Beispiel mit einem Kinderwagen oder beim Transport von Einkäufen.

    Wichtige Elemente eines barrierearmen Zuhauses sind:

    • Breite Türen und ausreichend Bewegungsfläche für Rollator oder Gehhilfe
    • Stufenlose Übergänge an Eingang, Terrasse und zwischen Räumen
    • Rutschfeste Böden und Haltegriffe für ein barrierefreies Bad
    • Gute Beleuchtung in Fluren, Treppenhäusern und Eingangsbereichen
    • Leicht erreichbare Lichtschalter und Steckdosen

    Vor allem Treppen können mit der Zeit zur Herausforderung werden. Damit Sie weiterhin alle Etagen bequem erreichen, unterstützen Sie Treppenlifte, Rollstuhllifte oder Hauslifte zuverlässig im Alltag. Mit der Mobilitätshilfe bewegen Sie sich selbstständig und sicher im ganzen Haus – und entlasten gleichzeitig Ihre Angehörigen, die Ihnen nicht mehr bei jeder Stufe zur Seite stehen müssen. Bei Lifta finden Sie verschiedene Modelle, die sich flexibel an unterschiedliche Grundrisse anpassen lassen, selbst wenn die Treppe eng, kurvig oder anderweitig baulich anspruchsvoll ist.

    Generationenhaus: Fördermöglichkeiten und Beratung

    Ein Mehrgenerationenhaus entsteht selten ohne Anpassungen – besonders, wenn Sie Barrierefreiheit schaffen oder separate Wohnbereiche für mehrere Generationen gestalten möchten. Dafür stehen Ihnen verschiedene Förderprogramme und Zuschüsse zur Verfügung, die Ihnen die Umbauten finanziell erleichtern.

    Zuschüsse für barrierefreies Wohnen

    Für Maßnahmen wie den Einbau eines Treppenlifts, stufenlose Zugänge oder den Umbau des Badezimmers stehen Ihnen unterschiedliche Förderungen zur Verfügung. Die KfW unterstützt solche Umbauten derzeit über zinsgünstige Kredite für altersgerechte Umbaumaßnahmen. Über die Pflegekasse können Sie – je nach Pflegegrad – einen Zuschuss für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen erhalten. Darüber hinaus stellen einige Bundesländer sowie Kommunen zusätzlich eigene Förderprogramme oder Zuschüsse für altersgerechte Anpassungen bereit.

    Steuerliche Vorteile

    Sie können bestimmte Umbaumaßnahmen steuerlich geltend machen, wenn diese der Barrierefreiheit oder der Verbesserung Ihrer Wohnsituation dienen. Dazu zählen etwa handwerkliche Leistungen, die Sie im Rahmen Ihres Mehrgenerationenhauses beauftragen. Lassen Sie sich am besten zu Ihren individuellen Möglichkeiten beraten, um alle Vorteile optimal auszunutzen.

    Beratungs- und Anlaufstellen

    Informieren Sie sich bei Wohnberatungsstellen, Familienzentren und kommunalen Servicestellen über passende Förderprogramme. Dort erhalten Sie in der Regel auch Unterstützung bei der Antragstellung. Energie- und Bauberatungen stehen Ihnen zur Seite, wenn Sie größere Umbauten oder Erweiterungen am Haus planen. Indem Sie frühzeitig Beratung in Anspruch nehmen, können Sie die Fördermöglichkeiten besser kombinieren und Ihre Maßnahmen effizienter planen.

    Mehrgenerationen­häuser – ein Konzept mit langfristigem Mehrwert

    Ein Mehrgenerationenhaus schafft ein Wohnumfeld, in dem familiäre Nähe, Sicherheit und gegenseitige Unterstützung alltäglich werden. Die kleinen Begegnungen zwischendurch, die kurzen Wege und das Gefühl, immer füreinander da sein zu können, machen diese Wohnform für viele Familien und Senioren besonders wertvoll. Mit einer zukunftsfähigen Planung kann ein Mehrgenerationenhaus zu einem langfristigen Zuhause für Sie werden, in dem Sie auch bei veränderten Bedürfnissen im hohen Alter selbstständig bleiben und alle Bereiche des Hauses nutzen können.

    Wie stehen Sie zum Wohnen über mehrere Generationen hinweg? Teilen Sie Ihre Erfahrungen und Gedanken gern mit uns in den Kommentaren.

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