Die Pflegegrade 2017 einfach erklärt

Die Pflegegrade sind die neuen Kategorien für die Einstufung der verschiedenen Arten der Pflegebedürftigkeit. Sie sind die Grundlage für die entsprechenden Leistungen der Pflegekassen. Was die fünf Pflegegrade für Auswirkungen haben und wie sie eingeteilt werden, erfahren Sie in diesem Video des Bundesministeriums für Gesundheit:

Tabelle: Die drei Pflegestufen eingeordnet in die 5 Pflegegrade

Die Pflegestufen werden ab 2017 in fünf Pflegegrade eingeteilt. Doch wie wird Ihre Pflegestufe den Pflegegraden zugeordnet? Die ehemaligen Pflegestufen werden in die nächsthöhere Pflegestufe übertragen.

Bisher Ab 2017

Pflegestufe 0, Pflegestufe 1

Pflegegrad 1-2

Pflegestufe 1, mit eingeschränkter Alltagskompetenz (Demenz), Pflegestufe 2

Pflegegrad 3

Pflegestufe 2, mit eingeschränkter Alltagskompetenz (Demenz), Pflegestufe 3

Pflegegrad 4

Pflegestufe 3, mit eingeschränkter Alltagskompetenz (Demenz), Härtefall

Pflegegrad 5

Das sind die neuen Pflegegrade:

  • Pflegegrad 1: Pflegegrad 1 ist die niedrigste Stufe der Pflegebedürftigkeit und kann von Menschen beantragt werden, bei denen bisher Pflegestufe 0 nicht genehmigt wurde. Nun erhalten Menschen mit leichter Form von psychischer Erkrankung, geistiger Behinderung oder Demenz schon Leistungen der Pflegeversicherung. Nur eine geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit muss für diesen Pflegegrad vorliegen. Mit dem neuen Pflegestärkungsgesetz haben weitaus mehr Menschen Zugang zu den Leistungen der Pflegeversicherung. 27 bis 60 Minuten täglicher Grundpflege werden mit Erhalt dieses Grads übernommen.

  • Pflegegrad 2: Pflegegrad 2 ist mit der Pflegestufe 0 und 1 zu vergleichen. Mit diesem Pflegegrad wird einem nun schon eine Pflege mit geringerem Zeitaufwand zugesprochen. Dieser Pflegegrad entspricht einer eingeschränkten Alltagskompetenz und erheblicher Beeinträchtigung der Selbstständigkeit. 30 bis 127 Minuten Grundpflege werden hier eingeplant.

  • Pflegegrad 3: Der Pflegegrad 3 entspricht Pflegestufe 1, wenn eine eingeschränkte Alltagskompetenz, also meist Demenz vorliegt. Er entspricht Stufe 2 wenn keine eingeschränkte Alltagskompetenz vorliegt. Menschen, die bisher also Stufe 1 hatten, können höhere Leistungen beanspruchen. Diesen Pflegegrad erhalten alle, die eine schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit besitzen. Ihr Anspruch liegt bei 131 bis 278 Minuten Grundpflege am Tag.

  • Pflegegrad 4: Leistungen des Pflegegrads 4 beziehen von nun an alle Menschen, die den Pflegestufen 2 (mit eingeschränkter Alltagskompetenz) und 3 zugeordnet waren. Hier sind schwerste Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit Faktor für die Zuordnung sowie die Notwendigkeit von bis zu 300 Minuten Grundpflege.

  • Pflegegrad 5: Der höchste Grad ist Pflegegrad 5. Menschen, die zuvor Pflegestufe 3 mit eingeschränkter Alltagskompetenz hatten, beziehen nun Leistungen des höchsten Pflegegrads. Für diesen liegt die „schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung“ vor. Der Pflegeaufwand ist außergewöhnlich hoch und der Pflegebedürftige ist auf eine 24-Stunden-Betreuung angewiesen. Mit dem Pflegegrad 5 verbunden sind 245 – 279 Minuten tägliche Grundpflege.
PSG II Verbesserungen

FAQ zu den Pflegegraden 2017

Wir beantworten Ihnen die häufigsten und wichtigsten Fragen zur neuen Pflegeversicherung:

Seit dem 1. Januar 2017 lösen fünf Pflegegrade die bisherigen drei Pflegestufen ab. Die Leistungen der Pflegeversicherung werden daran angepasst und die Preisgestaltung von etwa Pflegediensten, Pflegeheimen oder Tagespflege wird sich daran orientieren. Wer 2016 bereits die Anerkennung für eine Pflegestufe hatte, wird automatisch in den nächsthöheren Pflegegrad gestuft. Menschen die unter Demenz leiden, werden mit Menschen, die auf Grund körperlicher Beschwerden Pflege benötigen gleichgestellt und erhalten nun ebenfalls entsprechende Leistungen. Weiterhin wurde schon in der ersten Phase des neuen Pflegestärkungsgesetzes 2016 der Wunsch älterer Menschen unterstützt, länger in ihrer vertrauten Umgebung zu verbleiben, indem altersgerechte Umrüstungen von Wohnungen und Häusern mit bis zu 4.000 Euro bezuschusst werden.

Bisher erfolgte von Seiten der Pflegeversicherung keine Erklärung für die Umbenennung. Auf Grund der erfolgten Änderungen nehmen wir an, dass der Begriff „Pflegegrade“ verdeutlichen soll, dass die verschiedenen Grade nicht nur transparenter und verständlicher sind, sondern die Einstufung oder Pflegegraderhöhung flexibler erfolgen soll, als ein „Sprung“ zur nächsthören Stufe.

Nein, wer vor dem 1. Januar 2017 bereits in eine Pflegestufe eingeteilt wurde, wird automatisch in den nächsthöheren Pflegegrad gestuft. In vielen Fällen profitiert der Versicherte davon.

Nein, eine Zurückstufung erfolgt keinesfalls. In vielen Fällen steigen die Leistungen sogar an, beispielweise können Demenzkranke eine deutliche höhere monatliche Unterstützung erhalten. Auch wohnumfeldverbessernde Maßnahmen werden mittlerweile mit bis zu 4.000 Euro pro Person unterstützt, was einen deutlicher Anstieg der Leistungen im Vergleich zu 2015 darstellt.


Ja. Die reformierte Pflegeversicherung beinhaltet zahlreiche Vorteile, speziell bei der Wohnumfeldverbesserung, also beim barrierefreien Ausbau, beispielsweise mit einem Treppenlift. In vielen Pflegegraden werden deutlich höhere monatliche Leistungen gewährt. Dafür steigen die Beiträge zur Pflegeversicherung um überschaubare 0,2 Prozentpunkte. 

Grundsätzlich profitieren alle Menschen im ambulanten Bereich deutlich. Durch die Umwandlung der Pflegestufen in Pflegegrade werden die Leistungen der Pflegeversicherung erhöht, also sowohl das Pflegegeld, als auch die Leistungen für den ambulanten Pflegedienst. Bei den sogenannten „wohnumfeldverbessernden Maßnahmen“ ändert sich dagegen nichts. Wer beispielsweise einen Treppenlift anschaffen möchte, erhält bis zu 4.000 Euro von der Pflegeversicherung, direkt ab dem ersten Pflegegrad. Die Einschätzung unserer Pflege-Experten: Neuerdings könnte es für viele Menschen einfacher sein, erstmals Leistungen zu beziehen, da der Pflegegrad 1 leichter zu erreichen scheint. Wer bisher einen ablehnenden Bescheid bekommen hat, könnte seit diesem Jahr Pflegegrad 1 bekommen.

Menschen, die bis Ende 2016 in eine Pflegestufe eingeteilt waren, wurden zu Beginn des Jahres 2017 jeweils in den nächsthöheren Pflegegrad eingestuft. Wie die neuen Pflegegrade sich im Verhältnis zu den alten Pflegestufen darstellen, erfahren sie hier.

Sogenannte „wohnumfeldverbessernde Maßnahmen“ werden in jedem Pflegegrad, also Pflegegrade 1 bis 5, unterstützt und mit bis zu 4.000 Euro pro Person gefördert. Das bedeutet auch, dass bis zu vier Menschen, die in einem Haushalt zusammenleben, die Förderung beantragen können, wenn sie in die Anerkennung für einen Pflegegrad haben.

Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem der Alltag schwieriger zu bewältigen ist und schon kleine Dinge plötzlich schwerer fallen. Schon dann ist es angeraten, sich um die Einteilung in einen Pflegegrad zu bemühen, beispielsweise um wohnumfeldverbessernde Maßnahmen bewilligt zu bekommen. Dazu zählt ein Treppenlift genauso, wie beispielsweise eine ebenerdige Dusche oder ein Badewanneneinstieg. Hier finden Sie eine Auflistung der notwendigen Schritte:

  • Schritt 1: Teilen Sie Ihrer Krankenkasse mit, dass eine Pflegebedürftigkeit bzw. ein Bedarf nach Unterstützung eingetreten ist. Dies kann völlig formlos geschehen, z.B. durch einen Anruf oder eine E-Mail.
  • Schritt 2: Füllen sie den Antrag auf Pflegeleistungen aus, den Ihnen die Krankenkasse sendet. Viele Krankenkassen stellen das Formular auch zum Abruf auf ihren Webseiten bereit.
  • Schritt 3: Ihr Antrag wird von der Krankenkasse an den medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) weitergeleitet. Dieser vereinbart mit Ihnen einen Termin in den darauffolgenden zwei Wochen, bei Ihnen zuhause. Dieser Termin entscheidet darüber, ob Sie eine Pflegebedürftigkeit festgestellt wird, daher sollten Sie Familienangehörige, Freunde oder bereits für Sie tätige Pflegekräfte unbedingt dazu einladen. Diese können Auskunft über Ihren Gesundheitszustand und mögliche Schwierigkeiten im Alltag geben und Sie unterstützen.
  • Schritt 4: Bereiten Sie sich auf den Termin vor, indem Sie – z.B. mit Angehörigen - Ihren Tagesablauf bewusst durchgehen und überlegen, welche Handlungen Ihnen mittlerweile schwer fallen, bei denen Sie Hilfe benötigen könnten. Dazu gehört neben der generellen Mobilität auch die Körperpflege, das An- und Ausziehen, das Essen und Trinken. Halten Sie zudem Unterlagen zu Erkrankungen oder Medikamenten bereit.
  • Schritt 5: Der Gutachter sucht Sie am vereinbarten Termin auf und stellt Ihnen eine Vielzahl von Fragen, auch persönlicher Natur. Haben Sie keine Angst, auch vermeintlich peinliche Begebenheiten zu schildern, denn Ihre Situation muss richtig eingeschätzt werden können. Die Gutachter der MDK sind speziell ausgebildete Fachkräfte und mit solchen Schilderungen und Begebenheiten vertraut. Das Gespräch dauert im Normalfall bis zu einer Stunde.
  • Schritt 6: Der Gutachter schickt seine Beurteilung im Anschluss an das Gespräch an Ihre Krankenkasse. Dieser versendet einen Bescheid über den Ihnen zugeteilten Pflegegrad. Sind Sie damit nicht einverstanden, können Sie innerhalb von vier Wochen Einspruch dagegen einlegen.

Die monatlichen Leistungen steigern sich je nach Pflegegrad. Hier die aktuellen Zahlen:

Pflegegrad 1:
Geldleistung ambulant: 0 €
Geldsachleistung ambulant: 125 €
Pflegegeld stationär: 125 €

Pflegegrad 2:
Geldleistung ambulant: 316 €
Geldsachleistung ambulant: 689 €
Pflegegeld stationär: 770 €

Pflegegrad 3:
Geldleistung ambulant: 545 €
Geldsachleistung ambulant: 1.298 €
Pflegegeld stationär: 1.262 €

Pflegegrad 4:
ambulant: 728 €
Geldsachleistung ambulant: 1.612 €
Pflegegeld stationär: 1.775 €

Pflegegrad 5:

ambulant: 901 €
Geldsachleistung ambulant: 1.995 €
Pflegegeld stationär: 2.005 €

Die Zuordnung zu den Pflegegraden errechnet sich aus durch ein Punktesystem, das auf sechs Kategorien basiert.

  1. Mobilität (Beweglichkeit)
  2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten (Verstehen und Artikulieren)
  3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
  4. Selbstversorgung (z.B. Essen, Einkaufen)
  5. Bewältigung von uns selbstständiger Umgang mit krankheits-/therapiebedingten Anforderungen oder Belastungen
  6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

In jedem Bereich werden für Unterkategorien Punkte vergeben, je deutlicher die Fähigkeiten des zu Beurteilenden eingeschränkt sind. Zuletzt werden die verschiedenen Bereiche nach ihrer Bedeutung für den Alltag gewichtet. Eine Ausnahme sind die Bereiche 2 und 3. Hier fließt nur der höher bewertete – also der, in dem die meisten Schwierigkeiten auftreten – in die Beurteilung ein.


Das Pflegestärkungsgesetz II tritt 2017 in Kraft. Was ändert sich und was ist zu beachten? Hier erhalten Sie Antworten.


Das neue Pflegestärkungsgesetz II: Welche Vorteile das für die Förderung eines Treppenlifts hat, erfahren Sie hier.


In unserem Experten-Interview sprachen wir zu den Änderungen des Pflegestärkungsgesetzes II mit Frau Heike Nordmann.