Thorsten Wilms

Seniorenarbeit: Alle Informationen zur Arbeit und Betreuung von Senioren

  • Diese Seite bei Facebook empfehlen
  • Diese Seite bei Twitter empfehlen
  • Diese Seite bei Google+ empfehlen

02.10.2015 0

Seniorenarbeit (© Kzenon – Fotolia.de)

© Kzenon – Fotolia.de

Mit der Rente beginnt für viele Menschen der Schritt in einen neuen Lebensabschnitt. Viel Freiheit und viel Freizeit bedeutet für den einen oder die andere allerdings auch eine gewisse Unsicherheit: Was tun mit der vielen Zeit, was tun mit den vielen Jahren? Um der zunehmend größeren Gruppe von Senioren hilfreich zur Seite zu stehen, engagieren sich viele Organisationen, Gruppen und ehrenamtlich tätige Menschen. Wir geben einen Überblick über die Arbeit für Senioren.

  1. Was ist Seniorenarbeit
  2. Welche Bereiche und Berufe gibt es?
  3. Ideen für die Seniorenarbeit
  4. Kontakte und Anlaufstellen für Seniorenarbeit

Was ist Seniorenarbeit?

Seniorenarbeit ist ein Begriff, der vielfältig interpretiert werden kann. Auch wenn viele dabei an den rüstigen Rentner denken, der die Jugend des Fußballvereins trainiert, bezieht sich der Begriff primär auf die soziale Arbeit, die für ältere Mitglieder der Gesellschaft geleistet wird.

Das Ziel der Seniorenarbeit in Gemeinden und Kirchen ist, älteren Menschen Betätigung zu ermöglichen sowie die soziale Einbindung zu sichern oder wiederherzustellen.

Seniorenarbeit dient dazu, dem dadurch drohenden Verlust von Selbstständigkeit und Selbstbestimmung entgegenzuwirken und soziale Kontakte zu fördern, gleichsam aber auch das Wissen und die Erfahrung älterer Menschen zu nutzen, um sie jüngeren zuzuführen.

Seniorenarbeit kann die Lebensqualität älterer Menschen auf vielfältige Weise verbessern. Das „Kuratorium Deutsche Altershilfe“ nennt beispielhaft sechs Themenfelder, die dazu geeignet sind, Senioren Unterstützung zu geben:

  • Engagementförderung und Partizipation mit dem Fokus auf der Stärkung der Selbstorganisationskräfte älterer Menschen und dem Aufbau sozialer Netzwerke
    Bedeutet: Es werden Möglichkeiten geschaffen, um Aktivitäten für Senioren attraktiv zu machen und sie dazu zu animieren, auch selbst Kontakte zu nutzen, um sich zu beschäftigen.
  • Nachbarschaft/Wohnen im Quartier
    Bedeutet: Senioren sollen Teil der Nachbarschaft werden, anstatt sich zurückzuziehen bzw. sollen aktiv in das Nachbarschaftsleben integriert werden.
  • Medienarbeit: Die Rolle älterer Menschen in der digitalen Gesellschaft
    Bedeutet: Senioren sollen an die Nutzung digitaler Medien herangeführt werden, um darüber Kontakte zu knüpfen und Informationen zu erhalten.
  • Altersbilder/Vermeidung von Altersdiskriminierung
    Bedeutet: Die Wünsche und Anforderungen von Senioren müssen stärker in der Gesellschaft wahrgenommen, akzeptiert und umgesetzt werden.
  • Verbraucherschutz und Transparenz
    Bedeutet: Senioren müssen so gut wie möglich vor Vorteilsnahme geschützt werden. Angebote und Verträge sollten seniorengerecht formuliert sein. Senioren benötigen Unterstützung beim Ausfüllen.
  • Freizeit, Bildung, Kultur, Sport und Beschäftigung
    Bedeutet: Senioren benötigen Unterstützung und Angebote um Körper und Geist zu beschäftigen.

Seniorenarbeit – Begleitung von SeniorenDaraus wird deutlich: Es hat sich viel getan in der Seniorenarbeit. War man sich noch vor wenigen Jahrzehnten der Herausforderung angesichts der demographischen Veränderungen noch kaum bewusst und verstand unter Seniorenarbeit allenfalls die Betreuung körperlich eingeschränkter Menschen, hat die Arbeit mit Älteren heute meist das Ziel der Prävention von Alterseinsamkeit, ausgelöst durch strukturelle Entwicklungen in Familien und ländlicheren Gemeinden, die erst jetzt wirklich zum Tragen kommen.

Gleichzeitig machen neue Technologien eine besondere Schulung älterer Menschen notwendig, öffnen aber auch viele Türen für die eigenständige Informationssuche und Kontaktaufnahme zu Gleichgesinnten.

Die Seniorenarbeit in Deutschland wird durch Politik, Kirchen und Bürger realisiert. Auch wenn das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Bund zuständig ist und in den Bundesländern entsprechende Ministerien existieren, wird die direkte Hilfe meist von Kommunen, Kirchen und engagierten Menschen in Einrichtungen der Altenhilfe, in Selbsthilfegruppen, Seniorenorganisationen und Vereinen geleistet. Auch die Pflege- und Krankenkassen oder gewerbliche und gemeinnützige Unternehmen sind oft in der Seniorenarbeit aktiv.

Welche Bereiche und Berufe gibt es?

Bereiche der Seniorenarbeit

Die offene Seniorenarbeit wird meist von Kirchen, Seniorenbegegnungsstätten von Gewerkschaften, Parteien und sozialen Einrichtungen sowie Vereinen wie Caritas oder DRK angeboten.

In Altenclubs, in Begegnungs- und Tagesstätten und in den Veranstaltungen der Kirchengemeinden finden die älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger eine Vielzahl von Bildungs- und Freizeitmöglichkeiten. Informationen und Gespräche wirken der Vereinsamung entgegen und tragen dazu bei, dass Seniorinnen und Senioren auch in fortgeschrittenem Alter am Leben teilnehmen können und ihrer Stadt verbunden bleiben. Theatergruppen gehören ebenso zur offenen Arbeit für Seniorinnen und Senioren wie Tagesfahrten und Reisen.

Die Altenpflege entstammt dagegen eher dem Gesundheitswesen und dient der gesundheitlichen Hilfe. Sie wird von ausgebildeten Fachkräften durchgeführt.

Alternative Wohnformen als Form der Seniorenarbeit

Seniorenarbeit kann auch unter Gleichgesinnten geleistet werden, indem ältere Menschen sich nicht nur für Gruppenspiele oder andere Kurzweil treffen, sondern zusammen wohnen.

Alternative Wohnkonzepte für SeniorenNeben dem klassischen Seniorenheim werden alternative Wohnkonzepte immer beliebter, denn sie sorgen dafür, dass Selbstbestimmtheit und Kontakt mit anderen Menschen eine große Rolle spielen und trotzdem Hilfe im Alltag gesichert ist. Besonders beliebt: Die Alters-WG, die teilweise von professionellen Pflegediensten unterstützt wird, die Plus-WG für Menschen in der zweiten Lebenshälfte, die keine Unterstützung benötigen und das Mehrgenerationenhaus, in dem vom Kind bis zum Senioren alle zusammen wohnen und sich gegenseitig helfen.

Berufe in der Seniorenarbeit

Im Bereich der Seniorenarbeit gibt es klassische Berufe, die meist dem Gesundheitswesen entstammen, sowie neue Berufsfelder, die wenig reglementiert werden, wie der relativ neue Beruf des Seniorenbetreuers.

Altenpflege

AltenpflegeDer demographische Wandel zeigt sich verstärkt in der Dienstleistungsbranche, in der kein Beruf so stark wächst, wie der der Altenpflege. Hier hat sich die Zahl der Altenpflegefachkräfte laut Pflegestatistik 2013 zwischen 1999 und 2013 um über 100 Prozent auf fast 230.000 erhöht, die Zahl aller in der Altenpflege Beschäftigten ist im selben Zeitraum um über 60 Prozent auf knapp über eine Million gestiegen. Diese betreuen 2.42 Millionen Pflegebedürftige.

Die Arbeit als Altenpfleger umfasst neben der Krankenpflege auch sozialpflegerische, betreuende und durchaus auch im Alltag unterhaltende, gesellige Anteile. Gemeinsame Spiele oder Spaziergänge sind die angenehme Regel.

Altenpfleger arbeiten in Altenwohn- und -pflegeheimen, bei ambulanten Altenpflege- und Altenbetreuungsdiensten, Krankenhäusern, in Hospizen, in Pflege- und Rehabilitationskliniken. Auch in Privathaushalten werden Altenpfleger eingesetzt. Die Ausbildung zum Altenpfleger dauert drei Jahre.

Seniorenbetreuer/Alltagsbetreuer

Senioren- oder Alltagsbetreuer arbeiten in erster Linie in stationären oder ambulanten Pflegeeinrichtungen. Sie übernehmen hierbei Tätigkeiten im nicht-pflegerischen Bereich, haben somit nichts mit der eigentlichen Pflege zu tun. Ihre Aufgaben erstrecken sich von der Alltagsgestaltung bis hin zum Vorlesen der Tageszeitung.

Begleitung von Senioren zum Einkauf

Auch für Privathaushalte werden Seniorenbetreuer gebucht. Ihre Aufgaben hier:

  • Begleitung
  • Zubereitung von Mahlzeiten
  • Hausarbeiten
  • Erinnern an Medikamente
  • Besorgungen machen
  • Gemeinsame Aktivitäten wie Spiele oder Gedächtnistraining

Obwohl die Pflegekassen häufig die Kosten tragen, gilt dies jedoch oftmals nur für den Einsatz in einer Pflegeeinrichtung.

Ideen für die Seniorenarbeit

Seniorenarbeit soll die Aktivierung und Förderung vorhandener Fähigkeiten unterstützen und die Selbstorganisation und Selbsthilfe älterer Menschen stärken.

Gruppenspiele für Senioren

Gemeinames Spielen unterstützt den wachen GeistDas gemeinsame Bingo Spiel für Senioren ist der Klassiker unter den Seniorenspielen und trotz aller Klischees beliebt wie eh und je. Doch auch andere Spiele erfreuen sich weiterhin großer Beliebtheit, speziell jene, die einen Bezug zum Leben und zur Erfahrung haben und so perfekt zum Gedächtnistraining für Senioren geeignet sind. Ob „Heiteres Berufe-Raten“ mit Pantomime, Assoziationsübungen zu Berufen („Kein Tischler ohne… (Nägel, Hammer, Säge…)“) oder Gruppenspiele für Senioren, wie „Ich packe meinen Koffer“, sie alle sind dazu geeignet einen wachen Geist zu unterstützen.

Buchtipp: Josef Griesbeck – Die 50 besten Spiele für Seniorengruppen

Bewegungsspiele für Senioren

Jung und Alt kegelt gerne. Die fröhliche Kegelrunde ist und bleibt angesagt bei deutschen Senioren. Doch schwere Kugeln heben und das Beugen der Knie funktioniert nicht bis ins hohe Alter. Bewegungsspiele für Senioren setzen daher auf Koordinationsfähigkeit und leichte Kraftübungen. Gerade einfache Tanzspiele – wie das gemeinsame Tanzen des „Macarena“-Songs oder des Klassikers „YMCA“ machen gute Laune. Eine Vielzahl von Spielen, die Motorik und Kraft trainieren, finden Sie in der entsprechenden Literatur.

Buchtipp: Tina Pfitzner – Bewegungsspiele für Senioren

Singen für Senioren

Viele ältere Menschen singen gerne, egal ob regelmäßig im Kirchen-Chor oder hier und da in einer Seniorengruppe. Mittlerweile bieten Musiker und Musikpädagogen professionelle Betreuung beim Seniorensingen an und auch Musikschulen stellen ihre Räume oder Begleitmusiker für Senioren zur Verfügung. Doch prinzipiell reicht es, einfach gemeinsam loszulegen, egal, ob in einer Privatwohnung oder einer Begegnungsstätte. Volkslieder, die jeder kennt: „Am Brunnen vor dem Tore“, „Das Wandern ist des Müllers Lust“ oder „Im Frühtau zu Berge“ laden direkt zum Mitsingen ein.
Weitere Inspiration finden Sie in unserem Blog-Beitrag „Singen Sie sich glücklich und gesund“.

Bastelideen für Senioren

Basteln mit Senioren hat eine lange Tradition. Auch in der Betreuung von Demenzkranken wird Bastelarbeit schon sehr lange als Aktivierungs- und Beschäftigungsmöglichkeit eingesetzt.

Besonders das Arbeiten in Gruppen ist für ältere Menschen sehr wichtig, denn dadurch werden entscheidende Impulse für das eigene Selbstbewusstsein und die Gruppendynamik gegeben. Aber auch das gemeinsame Basteln mit Kindern bringt eine Menge Freude und ist eine Bereicherung für Jung und Alt.

Perfekte Bastelanlässe sind Feiertage wie Weihnachten oder Ostern. Auch die Jahreszeiten liefern oft passende Inspiration für selbstgebastelte Dekorationen. Ob Ton, Fimo, Holz, Tonpapier oder Pappmaschee, viele Materialien eigenen sich, um kleine Kunstwerke von der Schultüte bis zur Weihnachtsbaumdekoration herzustellen.

Buchtipp: Andrea Friese – Das Bastelbuch

Viele Spiele eignen sich sehr gut, um das Gedächtnis zu trainierenGedächtnistraining für Seniorengruppen

Immer mehr Senioren finden sich als Gasthörer an deutschen Unis ein und nutzen ihren Ruhestand, um sich zu bilden und geistig fit zu halten. Ist der Weg in die Hochschule zu mühsam oder der ältere Mensch geistig nicht mehr in der Lage zu folgen, sind Gedächtnisspiele für Senioren eine gute Möglichkeit, das Gehirn auf Trab zu halten. Ob man sich auf das empfehlenswerte Nintendo DS-Spiel „Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging“ stürzt, Sudoku oder eine Runde „Memory“ spielt, ist je nach Geschmack und Situation unterschiedlich.
Im Lifta Blog finden Sie auch weitere Informationen zum Thema „So bleiben Sie geistig fit“.

Buchtipp: Gisela Schmidt – Gedächtnistraining für Senioren: Methoden und Spiele

Kontakte und Anlaufstellen für Seniorenarbeit

Erste Anlaufstellen für Seniorenarbeit sind die Gemeinde und die Kirchen. Fast jede Stadt wartet mit einem „Amt für Soziales und Senioren“ auf und kann Ansprechpartner für die Offene Seniorenarbeit benennen, die weitere Kontakte liefern. Fast jede Kirchengemeinde engagiert sich auch für Senioren und bietet gemeinschaftliche Unternehmungen. Erkundigen Sie sich in Ihrem Gemeindezentrum.

Weiterhin bieten soziale Träger, wie die Caritas oder das Deutsche Rote Kreuz vielfach Seniorenaktivitäten an. Für weitere Informationen kontaktieren Sie die Dependance in Ihrer Stadt.

Außerdem:

Bundesarbeitsgemeinschaft Seniorenbüros: Bundesarbeitsgemeinschaft Seniorenbüros

Deutsche Gesellschaft für Seniorenberatung: Deutsche Gesellschaft für Seniorenberatung

 

VN:F [1.9.22_1171]
Bewertung: 6.0/6 (2 Bewertungen insgesamt)
Seniorenarbeit: Alle Informationen zur Arbeit und Betreuung von Senioren, 6.0 out of 6 based on 2 ratings
  • Diese Seite bei Facebook empfehlen
  • Diese Seite bei Twitter empfehlen
  • Diese Seite bei Google+ empfehlen

Schreiben Sie einen Kommetar


Die mit * gekennzeichneten Felder sind erforderlich.