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Wohnen für Hilfe: So profitieren Generationen voneinander

4 Min.

Wenn im Seniorenalter die Hürden des Alltags schwerer werden oder das eigene Zuhause zu groß und leer ist, dann könnte Ihnen ein modernes Wohnkonzept und alternative Wohnform für Senioren weiterhelfen. „Wohnen für Hilfe“ heißt das Projekt der Stadt und Universität in Köln, das mittlerweile sogar schon viel Anerkennung und einige Nachahmer in anderen Städten gefunden hat. Doch was genau verbirgt sich hinter dem Namen „Wohnen für Hilfe“ und wie können Sie davon profitieren? Dieser Frage gehen wir für Sie nach.

Elisa Holzmann
Lifta Magazin Autorin

Was ist „Wohnen für Hilfe“?

„Gemeinsam wohnen, den Alltag erleichtern! Der Grundgedanke dieses Projektes ist die gegenseitige Unterstützung“, so die Stadt Köln über das Konzept.

„Wohnen für Hilfe“ bringt Studenten und Senioren zusammen und löst mehrere Probleme gleichzeitig – für beide Seiten. Während die Älteren Hilfe und Unterstützung im Alltag von Studenten bekommen, leben die Jüngeren mietfrei unterm gleichen Dach. Und dieses Prinzip kommt gut an: Bis Dezember 2021 wurden laut der Universität Köln insgesamt über 4000 solcher hilfsbereiten Wohngemeinschaften gegründet.

Welche Hilfen bietet mir das Projekt?

Ein alter und junger Mann spielen zusammen Schach

Der Vorteil am Konzept Wohnen gegen Hilfe zu tauschen, ist die individuelle Absprache zwischen den Senioren und Studenten. So kann die Hilfe, die Sie im Alltag benötigen, ganz individuell angepasst und mit dem zukünftigen Mitbewohner besprochen werden. Davon ausgenommen sind einzig Pflegeleistungen jeder Art.

Dafür ist aber tatkräftige Unterstützung denkbar bei:

Haushalt: Hierunter könnten alle möglichen Aufgaben fallen, die im Haushalt anstehen. Von Einkäufen, Wäsche waschen, Küchendienst bis hin zum Putzen und Aufräumen. Eben all das, was im Alltag an Haushaltsaufgaben anfällt, bei denen Sie Unterstützung benötigen.

Garten: Ihr Rasen müsste mal wieder gemäht oder die Hecke geschnitten werden? Von Blumen gießen bis Kräuterbeet pflegen könnte das demnächst Ihr neuer Mitbewohner übernehmen.

Freizeit: Abseits von praktischen Hilfen rund ums Haus sind auch gemeinsame Aktivitäten gerne gesehen. Ob ein Spaziergang im Park oder gemeinsame Ausflüge: Oft ist es schon Hilfe genug, einfach eine schöne Zeit miteinander zu verbringen – und hilft gleichzeitig im Alter aktiv zu bleiben.

Orga: Wenn Ihnen der Papierkram im Alltag oder Behörden- und Arztbesuche zu viel werden, können Ihnen auch da studentische Mitbewohner tatkräftig unter die Arme greifen. Wie genau und in welchem Umfang die Hilfe gegen Wohnen dann letztendlich stattfindet, ist wie bei allen Bereichen eine Form der individuellen Absprache.

Wohnen für Hilfe: So funktioniert’s

Eine junge Frau steht mit einer älteren Dame zusammen in der Küche am Fenster

Wenn das für Sie interessant klingt und Sie obendrein noch über ein freies Zimmer in Ihrer Wohnung oder Ihrem Haus verfügen, können Sie in wenigen Schritten zu Ihrer neuen Wohnpartnerschaft kommen. Melden Sie sich am besten zunächst bei der Universität oder den Studentenwerken in Ihrer Stadt. Angefangen in Köln, ist „Wohnen für Hilfe“ mittlerweile bereits in 34 deutschen Städten aktiv. Eine Liste mit allen Städten und jeweiligen Ansprechpartnern finden Sie etwa auf der Internetseite der Uni Köln.

Danach übernehmen in den meisten Fällen die Ansprechpartner die Vermittlung der potenziellen Wohnpartner und begleiten Sie im gesamten Prozess von der Kontaktherstellung über das Ausfüllen der Formulare und begleiten auf Wunsch Ihre neue Wohngemeinschaft bei der Regelung des Alltags. Und sollte es doch mal zu Schwierigkeiten kommen, stehen Ihnen die Ansprechpartner auch als Mediator zur Verfügung.

Als Faustregel gibt etwa die Stadt Köln „eine Stunde Hilfe im Monat pro Quadratmeter Wohnfläche, der den Studierenden zur Verfügung gestellt wird“ an. Haben Sie also ein 15 Quadratmeter großes Zimmer zur Verfügung, können Sie im Gegenzug auf etwa 15 Stunden Unterstützung im Monat setzen.

Wohnungsgeber: Als Wohnraumgeber und Hilfenehmer kommen vor allem Senioren, aber oftmals auch Familien, Alleinerziehende und Menschen mit Behinderungen infrage. Einzige Bedingung: Es ist genügend bewohnbarer Raum in der Wohnung vorhanden.

Wohnungsnehmer: Als Hilfegeber und Wohnraumnehmer kommen in erster Linie an Universitäten eingeschriebene Studenten, die über gute Deutschkenntnisse und ein hohes soziales Engagement verfügen, infrage. In einigen Städten wird dieser Kreis um Auszubildende und Flüchtende ergänzt.

Zwischen welchen Menschen dann am Ende eine funktionierende Wohngemeinschaft zustande kommt, entscheidet sich im Vermittlungsprozess. Hier haben beide Seiten genügend Zeit, sich kennenzulernen und zu gucken, ob man sich das Wohnen gegen Hilfe vorstellen kann.

„Wichtig ist gegenseitige Sympathie, persönliche Zuverlässigkeit, beidseitige Offenheit und Toleranz. Neben dem gesellschaftlich interessanten Ansatz des generationenübergreifenden Wohnens können die Wohnpartnerinnen und Wohnpartner für ihre persönliche Situation viel dazu gewinnen“, sagt die Stadt Köln über das Projekt „Wohnen für Hilfe“.

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