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Die Trends auf deutschen Friedhöfen

8 Min.

Im September des letzten Jahres starb meine Mutter. Einer ihrer letzten Wünsche war die Urnenbestattung in einem Friedhain. Sie hatte davon aus der Tageszeitung erfahren: Als Teil eines kommunalen Friedhofs kann man sich hier halbanonym auf einem Feld mit Bäumen beisetzen lassen. Nur ein kleines Namensschild auf einer Stele am Rande der Fläche erinnert dort jetzt an meine Mutter. So seltsam es für mich als Angehörige erschien, sie an anderer Stelle als im Familiengrab zu beerdigen, so sehr belegt der Wunsch meiner Mutter die Trends auf deutschen Friedhöfen:

Denn die klassischen Friedhöfe mit den traditionellen Familiengräbern in Reihe und Abschnitt sind immer weniger gefragt und sterben gar aus. Angehörige entscheiden sich jetzt häufiger für eine Alternative zum traditionellen Familiengrab. In meinem Fall wollte meine Mutter meinem Bruder und mir das Verlängern des Familiengrabes um 30 Jahre schlicht ersparen.

Bea Becher
Redakteurin Lifta GmbH

Deutsche Friedhöfe: Trends der letzten Jahre

Bereits 20-25 Prozent aller Angehörigen wählen mittlerweile eine Alternative zur konventionellen Grabstätte: Urnenbestattungen, Waldbestattungen oder Seebestattungen sind seit einigen Jahren nicht nur im Kommen, sondern fast schon gängige Praxis. Friedhöfe als reine Gräberfelder werden damit nicht nur unattraktiver, sondern für die Kommunen auch unwirtschaftlicher. Gefragt sind individuellere Bestattungsformen.

Ein Grund dafür ist auch der Wandel in unserer Gesellschaft, wie Soziologe Thorsten Benkel von der Universität Passau feststellt:

„Die Menschen sind viel mobiler und verbringen nicht mehr ihr ganzes Leben an einem Ort. Darum geht der Trend weg vom pflegeintensiven Familiengrab zu alternativen Bestattungsformen.“ Benkel nennt das gar „Friedhofsflucht“. Die Trends auf deutschen Friedhöfen passen sich einem Lebenstrend an:

Je individualisierter die Gesellschaft, desto individueller müssen auch die Angebote für eine Bestattung werden:

Die Urnenbestattung ist der Trend auf deutschen Friedhöfen

Ältere Frau steht an Grab eines deutschen Friedhofs

Eine Urne spart nicht nur Platz, sondern auch Geld. Damit werden die Friedhöfe allerdings immer leerer. Aeternitas, eine bundesweite Verbraucherinitiative zur Bestattungskultur, zählte 2018 in Deutschland knapp 70% Feuerbestattungen und 30% Erdbestattungen. Eine anonyme Bestattung nach einer Einäscherung ist vergleichsweise günstig – sie schlägt mit 1000 Euro zu Buche. Im Vergleich dazu kostet eine durchschnittliche Beerdigung im Sarg, aber ohne Grabstein und spätere Pflege bereits 4500 Euro. Der wachsende Wunsch nach pflegefreien Gräbern ist daher eine logische Konsequenz für alle, die Angehörigen weder zeitlich noch geldlich zur Last fallen wollen. Was aber passiert mit den leerer werdenden Friedhöfen?

Die Urnenbestattung in einer oberirdischen Grabkammer

Grab mit Grabstein auf Friedhof

Diese besondere Form der Urnenbestattung wird in Deutschland bislang noch sehr zurückhaltend angenommen: Ein Kolumbarium ist eine Grabkammer über der Erde. Das kann ein Raum oder ein ganzes Gebäude sein, in dessen Wänden lauter kleine Kammern untergebracht sind. In den einzelnen Nischen kann jeweils eine Urne beigesetzt werden. Ein Kolumbarium befindet sich in Form einer Art Schrank entweder direkt auf einem Friedhofsgelände oder in den Räumlichkeiten von Kirchen, in denen keine Messen oder Gottesdienste mehr stattfinden.

Ein Platz in einer solchen Urnenwand ist meistens mit geringeren Kosten verbunden als beispielsweise ein Wahlgrab. Neben den Grabnutzungsgebühren, die sich je nach Kolumbarium auf über 3.000 Euro belaufen können, fallen keine Kosten für einen Grabstein oder für die Grabpflege an.

Unter einem Baum, unter dem Rasen oder im Wald

Mehr und mehr Angehörige weichen bei der Urnenbestattung auf Alternativen wie diese hier aus: Nicht nur auf dem Gelände eines Friedhofs, sondern auch in einem dafür freigegebenen Stück Forst kann man sich auf sehr naturnahe Art in 80 cm Tiefe bestatten lassen – im Wurzelbereich eines Baumes. Kerzen, Blumen oder Fotos gibt es bei dieser Form der Waldbestattung allerdings nicht.

Mit einer Urnenbestattung auf einer Rasenfläche innerhalb eines kommunalen Friedhofs befindet sich die letzte Ruhestätte an einem offiziellen Ort der Trauer mit festgelegten Öffnungszeiten und den entsprechenden Regeln. Wer es also so natürlich wie möglich liebt, der findet seine letzte Ruhestätte in einem oben beschriebenen Friedwald.

Total individualisiert oder halb anonym?

Älterer Herr mit Gießkannen auf dem Weg zu einem Grab

So wie die Schere in der Gesellschaft zwischen Besserverdienenden und Durchschnittsbürgern immer größer wird, so sehen die Trends auf deutschen Friedhöfen auch bei den althergebrachten Bestattungen aus: Entweder werden Bestattungen sehr teuer, weil immer individualisierter. Dies ist mittlerweile ein gut organisierter Dienstleistungszweig geworden: Designersärge aus Edelholz oder individuell von Künstlern gestaltete Urnen sind Beispiele dafür. Setzt man hingegen auf die halbanonyme Bestattung, die weder Grabstätte noch Pflege braucht, spart man Zeit, Geld und Pflege.

QR-Code statt Kreuz

Der Wunsch nach mehr Individualität zeigt sich auch immer häufiger auf dem Grabstein, wenn es denn noch einen gibt. Viele Kreuze sind als Inschrift verschwunden. Mit einem QR-Code auf dem Grabstein kann man seit neuestem über die Scan-Funktion des Mobiltelefons auf eine virtuelle Seite im Internet gelangen, um dort mehr über die Lebensgeschichte des Verstorbenen zu erfahren. So verbindet sich das reale, analoge Leben mit der digitalen Welt – und macht die Erinnerung an einen lieben Verstorbenen unabhängig von Raum und Zeit.

Eine Diamantbestattung als unvergängliche Erinnerung

Der sogenannten Diamantbestattung geht eine Feuerbestattung voraus. Aus einem Teil der Asche des Verstorbenen wird unter sehr hohem Druck und Temperatur in einem mehrmonatigen Prozess ein Diamant gepresst, den Angehörige als Erinnerung ständig bei sich tragen können. Diese Art der Bestattung ist mit mindestens 5000 Euro ­– alleine für die Herstellung des Diamanten – ohne Bestattung allerdings recht teuer.

Trauervideos auf YouTube

Die beiden Soziologen Thorsten Benkel und Matthias Meitzler beschäftigen sich auf ihrem Internetportal www.friedhofssoziologie.de mit Aspekten rund um die Trauer- und Bestattungskultur. Sie haben festgestellt, dass das Thema Tod bei jungen Leuten längst nicht mehr so ein Tabu ist: Diese beziehen das Internet immer mehr in ihre Trauer mit ein und stellen zum Beispiel Videos über einen Verstorbenen bei YouTube online oder erhalten Accounts in sozialen Netzwerken aufrecht. Ein aktuelles Beispiel aus den USA finden Sie hier:

Auch viele Bestatter bieten mittlerweile digitale Kondolenzseiten als Serviceleistung an. So wird auch das Internet ein Ort der Trauer und rückt das Thema damit in unseren Alltag.

Der Friedhof der Zukunft – als Grünanlage für alle?

Alltag ist ein gutes Stichwort. Denn Trauer gehört zum Leben und damit auch in den Alltag. Experten plädieren einhellig dafür, dass sich Kommunen dafür öffnen sollten, Friedhöfe zu einem Ort für Trauer, Tod und lebendiges Miteinander zu machen. Zum Beispiel durch eine Mischung der verschiedenen Bestattungsformen in einer parkähnlichen Umgebung. Ein Platz für Angehörige und Lebende mit genügend Freiraum, um im Alltag einen ruhigen Ort zum Durchatmen zu finden. Und die letzte Ruhestätte würde künftig zu einem Park der Begegnung von Lebendigkeit. Ob das zu den Trends auf deutschen Friedhöfen wird, bleibt abzuwarten.

Berlin geht jendenfalls schon mit gutem Beispiel voran: Hier gibt es gleich zwei Friedhofcafés: Eine alte Aufbahrungshalle auf dem Friedrichswerderschen Friedhof in der Kreuzberger Bergmannstraße dient als Räumlichkeit für das Café Strauss. Hier wird Kuchen und mehr serviert. Das zweite sehr charmante Berliner Friedhofscafe Finovo befindet sich in einem kleinen Haus direkt am großen Eingangstor zum St. Matthäus-Friedhof in Berlin-Schöneberg.

Und auch der neueste Trend aus den USA setzt Maßstäbe: Ab Ende kommenden Jahres wird im US-Bundesstaat Washington eine besonders ökologische Form der Biobestattung zugelassen: die vollständige Kompostierung des Toten. (Quelle: KSTA Trauern & Gedenken, Ausgabe vom 18./19.Januar)

Was halten Sie von den verschiedenen Bestattungstrends? Standen Sie vor der Entscheidung für eine dieser Formen? Mit welchen sind Sie schon in Berührung gekommen? Hinterlassen Sie uns gerne einen Kommentar, welche Form Sie geeignet finden. Herzlichen Dank.

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