Ehepaar wohnt im Alter im eigenen Zuhause
Lifta Ratgeber

Zuhause wohnen im Alter: Tipps und Wohnformen für ein sicheres, selbstbestimmtes Leben

„Einen alten Baum verpflanzt man nicht.“ Die volkstümliche Redensart bringt es auf den Punkt. Jeder Mensch möchte im Alter so lange es geht in seinen vier Wänden wohnen bleiben. Nimmt die körperliche Beweglichkeit mit den Jahren jedoch ab, rückt das Thema „altersgerechtes Wohnen“ in den Fokus. Hierbei geht es darum, dass Senioren innerhalb ihrer Wohnung mobil bleiben und selbstbestimmt leben können.

Die Lösung heißt „Barrierefreiheit“. Ein Wort, das gemeinsam mit dem Begriff des „altersgerechten Wohnens“ heute in aller Munde ist. Grund ist die Tatsache, dass die Menschen immer älter werden und es auch immer mehr ältere Menschen gibt. Die Entwicklung wird allgemein als demografischer Wandel bezeichnet. Er wird zukünftig noch relevanter als schon heute. Barrierefreiheit erlaubt es uns, dass ein „Baum“ eben nicht mehr an einen anderen Ort verpflanzt werden muss. Er kann in seinem vertrauten Umfeld bleiben und behält damit seine Lebensqualität.

Was ist altersgerechtes Wohnen?

Der Begriff „altersgerechtes Wohnen“ bezeichnet eine barrierefreie Wohnsituation für Senioren, die ihnen trotz eingeschränkter Mobilität ein selbstbestimmtes und weitestgehend unabhängiges Wohnen ermöglicht. Dadurch behalten sie ihre gewohnte Umgebung und alltägliche Freiheit.

Zu berücksichtigen ist dabei, dass die „Barrierefreiheit“ den gesamten Wohn- und Lebensbereich umfasst. Das beginnt schon vor dem Hauseingang. Gibt es hier nur Stufen oder auch ein Geländer? Wie sieht es innerhalb des Wohnraums aus? Bietet jeder Raum genug Platz? Sind die Türen breit genug und ist jeder Bereich stufenlos erreichbar? Diese und weitere Fragen beantworten wir Ihnen gerne ausführlich in unseren Beiträgen „Barrierefreies Wohnen: komfortabel und sicher zuhause leben“ sowie „Sturzprophylaxe“ innerhalb des Lifta Ratgebers.

Barrierefreies Badezimmer

Wohnformen im Alter: Lieber allein oder in Gesellschaft leben?

Die Situation der Bevölkerung in Deutschland ist heute dadurch geprägt, dass die Menschen dank des medizinischen Fortschritts immer älter werden und dementsprechend auch immer mehr Häuser und Wohnungen altersgerecht umgebaut bzw. altersgerechte Neubauten geschaffen werden müssen. Das bedeutet, dass vor dem Hauseingang, im Hausflur und dem gesamten Wohnbereich Barrierefreiheit herrschen muss. Anders ist ein angemessenes, altersgerechtes Wohnen nicht möglich, denn die körperliche Beweglichkeit lässt im Laufe der Jahre nach.

Weil Senioren heutzutage im Vergleich zu vorherigen Generationen auch bis ins hohe Alter körperlich fitter sind, bieten sich zudem neue Wohnformen an, damit ältere Menschen ihren Alltag aktiv gemeinsam gestalten können. Das Modell „Altersheim“ ist nur noch dann relevant, wenn ein selbstständiges Wohnen nicht mehr möglich ist. Für die „jungen Alten“ gibt es viele Alternativen.

Lift für barrierefreien Zugang zur Wohnung

Die Bandbreite geht hier von Wohngemeinschaften über das Mehrgenerationenhaus bis hin zur Senioren-WG. Alle diese Formen sind neueren Ursprungs, denn traditionelle Formen sind etwa die Großfamilien, bei denen Alt und Jung unter einem Dach wohnen. Die neuen Wohnformen bestehen im Idealfall aus einer Mischung von körperlich fitten Bewohnern und anderen Senioren mit gesundheitlichen Einschränkungen. So kann einer dem anderen im Alltag helfen. Aktivere Bewohner können Ausflüge zusammen unternehmen, während diejenigen zu Hause trotzdem nicht alleine sind.

Denn alle diese neueren Modelle dienen auch dem Zweck, einer Vereinsamung der Senioren vorzubeugen und ihnen die Hilfen einer Gemeinschaft im Alltag an die Seite zu stellen. „Gemeinsam statt einsam“ lautet die Devise heutiger Wohnformen im Alter. Und die lässt alles aufkommen, nur keine Langeweile.

Das Mehrgenerationenhaus

Das Mehrgenerationenhaus ist eine traditionelle Wohnform, die es seit jeher gibt. Schon immer haben bäuerliche Großfamilien unter einem Dach gewohnt, die Großeltern lebten nach der Übergabe des Hofes an die Nachfolger in einem eigens für sie bestimmten Bereich des Hauses, dem sogenannten „Altenteil“. Diese Form des Wohnens hatte den Vorteil, dass die älteren Familienmitglieder von den jüngeren unterstützt werden konnten. Die Mahlzeiten wurden gemeinsam eingenommen, die Senioren waren nicht einsam, sondern in der Gemeinschaft der Familie.

Heute hat der Begriff Mehrgenerationenhaus eine etwas andere Bedeutung. Auch hier leben ältere und jüngere Menschen gemeinsam in einem Haus. Nur müssen sie nicht mehr zwangsläufig miteinander verwandt sein. Strukturiert ist der Wohnbereich eines Mehrgenerationenhauses in der Regel so, dass jeder Bewohner seinen eigenen, persönlichen Bereich hat und daneben Gemeinschaftsräume (Küche, Wohnzimmer, Garten) für gemeinsame Mahlzeiten, Gespräche und Aktivitäten zur Verfügung stehen.

Drei Generationen in einem Mehrgenerationenhaus

Ältere wie jüngere Mitbewohner profitieren von der Arbeitsteilung, gegenseitiger Unterstützung im Alltag, dem Austausch von Erfahrungen und der schlichten Tatsache, dass man nicht allein, sondern in einer Gemeinschaft lebt. Informationen finden Ratsuchende bei bundesweit rund 250 Wohnberatungsstellen, die in der Regel kostenlos informieren. Ebenso stehen auch die Verbraucherzentralen bei diesem Thema Interessenten mit Rat und Tat zur Seite.

Die Senioren-WG

Eine Senioren-WG bietet für ältere Mitbewohner dieselben Vorteile wie das Mehrgenerationenhaus, nur dass hier ausschließlich Senioren unter einem Dach leben und nicht noch jüngere Familien oder junge Singles, wie etwa Studenten. Die Mitbewohner gestalten ihren Alltag miteinander, kaufen füreinander ein und teilen sich die Hausarbeit. Es gibt einen Bereich, der gemeinschaftlich genutzt werden kann und Räume, die nur für einzelne Personen offenstehen. Wichtig ist bei der Zusammensetzung der Mitbewohner, dass ein Teil noch gesundheitlich fit, mobil und selbstständig sein sollte, um anderen Bewohnern helfen zu können, die durch ihre Gesundheit eingeschränkter sind.

Senioren einer Senioren-WG beim Kartenspiel

Gleiche Interessen wichtig

Wie bei Studenten-WGs auch, müssen die Mitbewohner der Wohngemeinschaft charakterlich und im Hinblick auf ihre Interessen und Hobbys zusammenpassen. Darum sollten Gründer einer Senioren-WG gewissenhaft und kritisch ihre Mitbewohner auswählen. Natürlich ist es am besten, auf Bekannte und Freunde zu setzen. Mit ihnen stimmt die Chemie. Ist das gegeben, hält diese Form des Wohnens viel Komfort und Lebensqualität für alle Beteiligten bereit. Auch Prominente haben die Senioren-WG bereits für sich entdeckt, wie etwa der bekannte Politiker und ehemalige Bürgermeister von Bremen, Henning Scherf. Er wollte dem Alleinsein im Alter vorbeugen und gründete daraufhin mit seinen besten Freunden eine Wohngemeinschaft.

Ein weiterer Vorteil ist auch, dass man sich anfallende Kosten teilen kann. Dieser Aspekt ist schon aus dem Grund relevant, da Renten oftmals nicht so üppig ausfallen. Erst recht nicht mit Blick auf die zukünftigen Generationen.

Fördermittel für Senioren-WGs

Neben den zahlreichen Vorteilen von Senioren-WGs muss jeder Mitbewohner für sich die anfallenden Kosten bewältigen. Kann die Miete auch durch die Anzahl der Bewohner geteilt werden, muss dennoch die Finanzierung von beispielsweise ambulanten Leistungen geklärt sein, wenn diese in Anspruch genommen werden müssen. Um gerade die Menschen in Senioren-WGs etwas zu entlasten, wurden im Rahmen des Pflege-Neuausrichtungs-Gesetzes (PNG) im Jahre 2012 neue Förderungen beschlossen. Demnach erhalten Bewohner von Wohngemeinschaften zusätzliche Leistungen aus ihrer Pflegeversicherung in Höhe von € 200,- pro Monat, um sich neben der sonstigen Pflege eine eigene Betreuung leisten zu können.

Zuhause wohnen mit fachkundiger Betreuung

Fachkundige Betreuung für Seniorin

Zuhause wohnen mit Pflege durch Angehörige

Gibt es bei älteren Menschen schon stärkere gesundheitliche Einschränkungen, die durch Mitbewohner nicht mehr ausgeglichen werden können, ist die Hilfe von Familienangehörigen oder professionellen Pflegediensten gefragt. Ein Großteil aller Pflegebedürftigen wird zuhause von ihren Angehörigen gepflegt. Das verwundert nicht, denn Familienmitglieder stehen dem zu Pflegenden ohnehin am nächsten.

Es muss nicht erst ein Vertrauensverhältnis aufgebaut werden. Sind sie zudem für eine Pflege qualifiziert und wohnen in der Nähe, ist es ohne Frage die beste Lösung. Doch viele ältere Menschen wollen ihren Angehörigen nicht zur Last fallen. Trotz aller Annehmlichkeiten einer familiären Pflege sind gerade einmal 48,7 % der Deutschen bereit, sich von einem Familienmitglied zu Hause betreuen zu lassen. Neben der Scham der zu pflegenden Menschen steht auch die Berufstätigkeit oder die Versorgung anderer Familienmitglieder vielen Angehörigen im Weg.

Zuhause wohnen mit privater Pflegekraft

Eine weitere alternative Wohnform für Senioren ist das Wohnen mit Unterstützung privater Pflegekräfte. Wird diese Form der Pflege für einen alten Menschen relevant, ist er bereits schwer pflegebedürftig, denn private Pflegekräfte wohnen im Haushalt der zu pflegenden Person und sind damit rund um die Uhr für sie da. In Deutschland übernehmen diese Arbeit zum Großteil Pflegerinnen und Haushaltshilfen aus Osteuropa. Je nach Leistung müssen Pflegebedürftige und ihre Angehörigen zwischen € 1.500,– und € 2.500,– pro Monat für diese 24-Stunden-Hilfe zahlen.

Zuhause wohnen mit Hilfe eines ambulanten Dienstes

Angehörige sind nicht selten mit der Pflege älterer Familienmitglieder sehr belastet. Darum ist es vorteilhaft, durch ambulante Pflegedienste Unterstützung zu erhalten. Ambulante Pflege wird von den großen kirchlichen Trägern wie etwa der Diakonie oder der Caritas, aber auch von zahlreichen privaten Pflegediensten angeboten. Bei den Services handelt es sich um verschiedene Bereiche. Sowohl medizinische Dienste wie auch Haushaltshilfen stehen zu Wahl.

Zu den Serviceleistungen der Dienste gehören:

  • medizinische Pflege
  • Unterstützung im Haushalt (z.B. Wohnungsreinigung, Wäscheservice oder Einkauf)
  • Fahr- und Bringdienste („Essen auf Rädern“, Fahrten zu Arztterminen)
  • Hausmeisterdienste, d.h. Aufsichtsfunktion und kleinere Reparaturen

Betreutes Wohnen

Im Vergleich zum Wohnen im eigenen Haus mit den Hilfen ambulanter Dienste, leben die Bewohner des betreuten Wohnens in einem Seniorenzentrum. Diese Zentren bieten barrierefreie und damit altersgerechte Appartements mit einem zusätzlichen Betreuungspaket.

Die Leistungen des Betreuungspakets auf einen Blick:

  • Nachbarschaftliche Hilfe durch die Mitarbeiter des Seniorenzentrums
  • 24-Stunden-Notruf-Anlage
  • Service des Hausdienstes für anfallende Reparaturen
  • Teilnahme am Mittagstisch im Seniorenzentrum
  • Teilnahme an Festen und Veranstaltungen im Seniorenzentrum
  • Nutzen der Freizeitangebote des Seniorenzentrums
  • Die Möglichkeit, Friseur und Fußpflege zu nutzen

Die Leistungen eines Seniorenzentrums sind in der Regel vorteilhafter, weil sie alle in unmittelbarer Nähe zueinander angeboten werden. Die Bewohner können alles in kurzen Wegen erreichen. Grundsätzlich muss aber nach Bedarf entschieden werden. Ist es dem älteren Menschen lieber, in seiner eigenen Wohnung zu bleiben, dann sind ambulante Hilfen die richtige Lösung. Kann er sich einen Umzug vorstellen und legt er Wert auf zusätzliche Vorteile wie die räumliche Nähe zu Mittagstisch, Friseur oder Fußpflege, dann ist eine barrierefreie Wohnung in einem Seniorenzentrum ideal.


Staatliche Förderung: Pflegeversicherung und Pflegekosten-Zuschüsse

Ordner für Förderung durch Pflegeversicherung

Pflegeleistungen werden allgemein durch die Pflegeversicherung finanziert, sofern der Bedürftige eine der Pflegestufen 0, 1, 2 oder 3 vorliegen hat. Ist zudem der Umbau der Wohnung in einen altersgerechten, barrierefreien Zustand vonnöten, gibt es für diese Maßnahmen zusätzlich einen Pflegekosten-Zuschuss. Er kann separat bei der Pflegeversicherung beantragt werden und wird nur im Zusammenhang mit einer vorhandenen Pflegestufe gewährt. Sind alle Voraussetzungen erfüllt, ist ein Zuschuss möglich.

Der Vorteil hierbei: er wurde durch den Gesetzgeber deutlich angehoben. Hintergrund ist die Einführung des Pflegestärkungsgesetzes vom 1. Januar 2015, das die Erhöhung des Zuschusses für barrierefreie Umbaumaßnahmen von € 2.557,- auf bis zu € 4.000,- pro Person festgelegt hat.


Übersicht der Wohnformen "Zuhause im Alter"

Wohnformen Übersicht

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Checkliste zur Wohnsituation im Alter

Familie & Freunde

  • Gibt es Angehörige oder Freunde in Ihrer Nähe?
  • In welchem Alter sind diese und sind sie gesund?
  • Haben Sie Angehörige oder Freunde auf die Sie sich jederzeit verlassen können?
  • Würden diese Sie auch pflegen?
  • Sind hierfür evtl. Umzüge notwendig?

 

Nachbarschaft

  • Kann die benötigte Unterstützung auch durch Nachbarn erfolgen?
  • Ist es möglich, nachbarschaftliche Hilfe zu organisieren?
  • Würden Ihre Nachbarn Sie auch pflegen?
  • Wäre das für Sie auch vorstellbar?

 

Wohnraum

  • Ist Ihr Wohnraum für die Anforderungen im Alter geeignet?
  • Haben Sie Maßnahmen zur Sturzprophylaxe getroffen?
  • Sind hierfür Umbaumaßnahmen erforderlich?

 

Wohnformen

  • Haben Sie sich über alle möglichen Wohnformen in Ihrem Umkreis informiert?
  • Sind Sie sich der Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Wohnformen bewusst?
  • Kennen Sie den jeweiligen finanziellen Aufwand für die unterschiedlichen Wohnformen?

 

Finanzierung im Alter

  • Wissen Sie, wie viel Geld Ihnen im Monat zur Verfügung steht?
  • Besitzen Sie finanzielle Reserven für den Notfall (Lebensversicherungs, Rentenversicherung, etc.)?
  • Haben Sie Verwandte, die Sie im Notfall finanziell unterstützen können?

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