Daniel Müller

Sturzgefahr im Winter: So vermeiden Sie Rutsch- und Stolperunfälle

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13.11.2015 0

Sturzvermeidung-Winter (© ollo - istock.de)

© ollo - istock.de

Dieses Bild stimmt viele ältere Menschen im Winter sorgenvoll: Draußen ist es dämmrig und kalt. Der Gehweg vor dem Haus ist seit einiger Zeit sehr glatt – erst durch die glitschigen Blätter, die der Herbst mit sich brachte, dann durch die winterliche grau-weiße Eisschicht. Dabei ist das der einzige Weg zum Bäcker und Supermarkt. Wie ältere Menschen in dieser Situation Stürze vermeiden können, erfahren Sie hier im Lifta Blog.

Überblick:

 

Wer ist besonders gefährdet?

Sturzvermeidung-Winter-vereister-Gehweg

© kzenon – istock.de

Wenn der Winter beginnt, bleiben viele ältere Menschen lieber in ihren Häusern oder Wohnungen. Die Sorge vor Stürzen beim Spaziergang, auf dem Weg zum Einkaufen oder selbst zur Mülltonne, macht Seniorinnen und Senioren das Leben schwerer.

Diese Sorge ist berechtigt. Denn ungefähr jeder Dritte ab 65 Jahren stürzt mindestens einmal pro Jahr. Über 80-jährige Menschen fallen leider noch häufiger. Diese Stürze können komplizierte Knochenbrüche, wie eine Oberschenkelhalsfraktur, nach sich ziehen. Gleichzeitig kann der Unfall der Beginn eines schwierigen Kreislaufs sein: Denn Ängste vor Stürzen können dazu führen, dass Personen zunehmend zu Hause bleiben und sich aus dem öffentlichen Leben zurückziehen. Dieser Rückzug wiederum führt zu Bewegungsmangel und dem Gefühl fehlender Selbstbestimmung.

Die gute Nachricht lautet: Jeder kann etwas für seine Gangsicherheit und gegen das Stürzen tun! Zudem ist das Problem „Sturz im Alter“ gut erforscht. Es gilt aus medizinischer Sicht als Symptom für mögliche Defizite – im körperlichen Bereich, der Kleidung oder auch der Einrichtung und Ausstattung der eigenen Umgebung. Wir haben Ihnen die wichtigsten Informationen zum Vorbeugen von Stürzen zusammengestellt. Dabei unterscheiden wir die Sturzvermeidung für innen und außen. Aber in welchen Situationen genau droht im Winter draußen die Gefahr eines Sturzes?

 

Was sind klassische Gefahrensituationen?

Die meisten Gefahrenquellen für Stürze im Winter sind die mangelhafte Beleuchtung des eigenen Hauses und öffentlicher Gehwege. Ebenso die veränderte Wetterlage birgt Gefahren. Im Spätherbst fällt viel Laub, das durch Regenfälle nass wird. Straßen und Gehwege können jetzt sehr rutschig werden. Eine herbstliche und winterliche Witterung bedeutet außerdem frühe Dunkelheit. Wenn die Temperaturen weiter fallen, setzen Glatteis und Schneefälle ein und die Gehwege werden glatt.

© Jan Mika - fotolia.de

© Jan Mika – fotolia.de

Vereiste und zugeschneite Gehwege bergen großes Gefahrenpotenzial für das Ausrutschen auf Eis und das Ausrutschen auf Schnee. Insbesondere auf Pfützen bildet sich schnell Eis. Sind die Pfützen zusätzlich durch Schnee bedeckt, sind sie nicht sofort erkennbar. Damit stellen sie ebenfalls eine Gefahrenquelle für das Ausrutschen dar. Auch festgetretener Schnee kann zum Ausrutschen auf Gehwegen führen.

Wer bei winterlicher Witterung draußen spazieren geht oder gar Fahrrad fährt, sollte es vor allem langsam angehen lassen. Denn gerade bei schnellerem Gehen und bei hartem Bremsen können Stürze und mögliche Verletzungen drohen. In der Dunkelheit empfiehlt es sich ferner, ein Licht dabei zu haben und reflektierende oder helle Kleidung zu tragen. So können Passanten und Radfahrer die Gefahr eines Zusammenstoßes minimieren. An einem Fahrrad ist ein funktionierendes Licht ohnehin Pflicht. Was können ältere Personen im Winter also zur Sturzvermeidung und gegen das Ausrutschen tun?

 

Tipps für einen sturzfreien Winter

Das richtige Schuhwerk

Der Experte Professor Reinhard Hoffmann von der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. rät: „Tragen Sie in aller erster Linie gutes Schuhmaterial im Winter. Winterfeste Schuhe haben ein tiefes Profil unter der Sohle.“ Ältere Menschen können ihre Schuhe durch sogenannte Schuh-Spikes noch sicherer machen. Ähnlich wie hochalpine Wanderer, tragen Sie damit eine Gummisohle samt Metall-Nägeln für den Fersen- und Ballenbereich. Die Spikes (engl. für „Zacke, Stachel“) ziehen Sie sich einfach über die Schuhe und können diese im Einzel- und Fachhandel kaufen. Ferner sind Spikes für Gehstöcke hilfreich. Diese Eiskrallen können Sie an fast allen Geh- und Spazierstöcken befestigen und sind auf Rezept erhältlich.

© SL Radcliffe - istock.de

© SL Radcliffe – istock.de

Muskulatur stärken

Wichtig zur Sturzvermeidung im Winter ist eine gute Muskulatur. Sorgen Sie dafür, dass Ihre Beine und die Armmuskulatur gut trainiert sind. Mit einer ausgebildeten Muskulatur können Sie einen eventuellen Sturz besser abfangen. Fragen Sie in Ihrer Gemeinde oder bei Ihrem Hausarzt nach. Dort können Sie sich Kurse zur Seniorengymnastik und Sturzprophylaxe empfehlen lassen.

Kleine Helfer als Unterstützung

Weiterhin gibt es gute Techniken und Tipps, wie ältere Mitbürger das Risiko eines Sturzes und das Ausrutschen im Winter vermeiden können. Nutzen Sie grundsätzlich beim Gehen im Freien nur geräumte und gestreute Wege. Für das Einkaufen sollten Sie eher einen Rucksack als eine Tragetasche nutzen. So haben Sie Ihre Hände frei und können einen eventuellen Sturz abfangen.

Das gleiche gilt für die Hände in der Jackentasche zu wärmen. Lassen Sie die Hände ruhig draußen und ziehen sich warme Handschuhe an. Dadurch können Sie bei Bedarf Ihr Gleichgewicht besser ausbalancieren und Stürzen vorbeugen. Für besonders sturzgefährdete Personen kann übrigens das Tragen einer Hüftschutzhose und Hüftprotektoren Sinn machen. Schalen oder Polster in der Unterwäsche mindern bei diesen Kleidungsstücken die Kraft eines möglichen Sturzes. Diese Hosen können Sie über den Sanitätsfachhandel und die Hersteller beziehen. Erkundigen Sie sich, ob Ihre Krankenkasse die Kosten für diese Hilfsmittel übernimmt.

© Foto 2015 von www.ChristianSchwier.de - fotolia.de

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In mäßigem Tempo laufen

Ebenso ist es wichtig ist, dass Sie beim Spaziergang draußen Ruhe und Gelassenheit bewahren.
Lassen Sie sich Zeit, wählen Sie ein mäßiges Tempo und machen Sie kurze Schritte. Sollten Sie sich unsicher fühlen, bitten Sie eine Ihnen vertraute Person, die Sie im Winter begleitet. Darüber hinaus sind Gleichgewichtsübungen für ältere Mitbürger eine spannende Tätigkeit für zu Hause. Erfragen Sie diese bei Ihrem Hausarzt oder Ihrer Krankenkasse und führen Sie die Übungen wie angeleitet durch. So steigern Sie Ihre körperliche Kraft und senken gleichzeitig das Risiko eines Sturzes. Gangunsichere Menschen sollten keine unnötigen Gefahren eingehen und bei widrigen Verhältnissen im Zweifel besser zu Hause bleiben. Verschieben Sie ihre sozialen Aktivitäten einfach auf einen hellen, milden Mittag und gehen dann mit einer Begleitung nach draußen.

Sicherheit durch einen beleuchteten Außenbereich

Schließlich können Sie Ihre direkte Umgebung am Haus optimieren. Lassen Sie eine gute Beleuchtung installieren an Gehwegen, Hauseingängen, Garagen, außen liegenden Kellerabgängen, Terrassen sowie Außentreppen. Das Licht darf nicht blenden und sollte nach unten gerichtet sein. Der Lichtkegel muss Gefahrenstellen gut ausleuchten. Nutzen Sie am besten Leuchten mit Bewegungsmeldern, die sich automatisch einschalten, wenn eine Person in ihren Einzugsbereich tritt. Die Fußmatte an Ihrer Außentür sollte möglichst bodengleich und keine Stolperfalle sein. Ebenfalls kann der Gitterrost in ein Betonbett eingelegt werden.

 

Rechtliche Rahmenbedingungen bei Stürzen

Es ist ratsam, wenn Sie als älterer Mensch eine Unfallversicherung abschließen, die einen sogenannten erweiterten Unfallbegriff hat. Damit sind auch Unfälle versichert, welche im Zusammenhang mit der Einnahme von Medikamenten und mit Herzinfarkten stehen. Unbedingt sollten Sie Ihre Unfall-Police vor dem Abschluss auf diese Erweiterung hin überprüfen und sich von ihrem Versicherer gut beraten lassen.

Ob ein Fußgänger einen vereisten Gehweg auf eigene Gefahr nutzt oder einen Anspruch auf Schadensersatz hat, das beurteilen Gerichte sehr unterschiedlich. Gehen Sie daher im Winter immer, wenn möglich, auf gestreuten Wegen und sehr langsam sowie vorsichtig.

Einen schönen und sicheren Winter wünscht Ihnen

Ihr Lifta Team

 

Checkliste: Tipps gegen das Ausrutschen im Winter

Sehen Sie hier noch einmal alle Tipps im Überblick, mit denen Sie Stürze im Winter vermeiden können:

  • Tragen Sie im Winter Schuhe mit tiefem Profil.
  • Ziehen Sie Schuh-Spikes über Ihre Schuhe.
  • Installieren Sie eine Eiskralle („Spikes“) an Ihrem Gehstock.
  • Betreiben Sie Seniorengymnastik und dadurch aktiv Sturzvermeidung.
  • Stärken Sie Ihre Muskulatur.
  • Lernen Sie Gleichgewichtsübungen. Krankenkassen und Hausärzte können hier weiterhelfen.
  • Nutzen Sie grundsätzlich geräumte Wege.
  • Nehmen Sie die Hände beim Gang grundsätzlich aus den Taschen, damit Sie Ihr Gleichgewicht besser halten und ggf. einen Sturz abfangen können.
  • Nutzen Sie beim Einkaufen einen Rucksack anstatt einer Tragetasche. So haben Sie die Hände frei.
  • Tragen Sie bei Bedarf Hüftprotektoren. Erkundigen Sie sich, ob Krankenkassen diese Hilfsmittel übernehmen.
  • Mäßigen Sie Ihr Tempo und gehen Sie lieber langsam.
  • Organisieren Sie sich eine vertraute Begleitung, die mit Ihnen nach draußen geht.
  • Verschieben Sie soziale Aktivitäten draußen auf helle trockene Mittage, wenn es nicht glatt ist.
  • Optimieren Sie die Beleuchtung an Ihrem Haus.
  • Achten Sie darauf, dass Ihre Fußmatte bodengleich ist.
  • Schließen Sie eine Unfallversicherung mit erweitertem Unfallbegriff ab. Eingeschlossen müssen Unfälle infolge von Medikamentengebrauch und Herzinfarkt sein.
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