Tanja Schilling

Telefonabzocke: So schützen Sie sich vor Telefonbetrug

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03.02.2016 0

Lifta-Schutz-vor-Telefonbetrug (© olly – fotolia.com)

© olly – fotolia.com

Die kriminellen Maschen sind bekannt und doch fallen gerade ältere Personen den Telefonbetrügern und Telefonabzockern immer wieder zum Opfer. Mit dreisten Anrufen und skrupellosen Tricks werden oftmals Senioren gezielt um ihr Erspartes gebracht. Doch es gibt Möglichkeiten, wie Sie sich schützen können bzw. Verhaltens-Tipps, was im Falle eines Betruges am besten zu tun ist.

Überblick:

  1. Was versteht man unter Telefonbetrug?
  2. Welche Telefonbetrug-Maschen sind die gängigsten?
  3. Wie kann man eine Telefonabzocke erkennen?
  4. Wie sollte man auf eine versuchte Telefonabzocke reagieren?
  5. Was kann man tun, wenn man auf einen Telefonbetrug hereingefallen ist?
  6. Fazit

 

Was versteht man unter Telefonbetrug bzw. Telefonabzocke?

Landläufig wird zwischen Betrug und Abzocke oft nicht differenziert. Tatsächlich gibt es rein rechtlich sehr wohl einen Unterschied. Nachfolgend werden daher die Begriffe Betrug und Abzocke zunächst definiert.

Betrug

In Deutschland sprechen wir von Betrug, wenn eine Person sein Opfer vorsätzlich täuscht mit dem Ziel, für sich selbst oder für Dritte Vermögensvorteile zu verschaffen oder dem Vermögen des Opfers Schaden zuzufügen.
Beispiel: Im Falle des Telefonbetrugs verschafft sich eine Person Zugang zu den Bankdaten seines Opfers mit dem Ziel, dort größere Geldsummen abzuheben.

Abzocke

Als Abzocke definiert man Handlungen, durch welche einer Person durch unlautere Methoden Geld aus der Tasche gezogen wird. Eine typische Abzocke wäre demnach der Handel mit überhöhten Preisen oder auch die Vergabe von überteuerten Krediten.
Beispiel: Bei einer Telefonabzocke werden den Angerufenen Verträge untergeschoben über Leistungen, deren Vergütung in keinem angemessenen Verhältnis steht (Abo-Falle).

Schutz vor Telefonbetrug

© stockpics – fotolia.com

Neben diesen beiden Formen der Telefonabzocke gibt es ebenso die Werbeanrufe, die sowohl unerlaubt als auch sehr ärgerlich sind. Werbeanrufe sind seit 2013 verboten, es sei denn, es liegt vorab eine ausdrückliche Einwilligung des Verbrauchers vor. Bei einem unerlaubten Werbeanruf – man spricht von einem sogenannten „Cold Call“ – handelt es sich um eine Ordnungwidrigkeit des Anrufers, die der Bundesnetzagentur gemeldet werden kann. Im Gegensatz zu Betrug und Abzocke ist das Ziel des Anrufs jedoch nicht, den Verbraucher zu schädigen.

Aber ob nun Abzocke oder Betrug: Den oftmals älteren Opfern sind diese Feinheiten sicherlich gleich angesichts der Tatsache, dass ihnen – neben Stress und Scham – meist auch ein substanzieller Schaden zugefügt wurde. Daher wollen wir hier vor allem aufklären und Tipps geben, wie Senioren sich vor Betrug sowie Abzocke am Telefon schützen können.

 

Welche Telefonbetrug-Maschen sind die gängigsten?

Senioren wird das Geld aus der Tasche gezogen – und sehr oft spielt das Telefon die entscheidende Rolle. Betrüger nutzen hier die Tatsache, dass für viele Ältere das Telefon die wichtigste Verbindung nach draußen ist. Zudem wurde in Untersuchungen festgestellt, dass das „gesunde Misstrauen“ gegenüber Fremden oder Angeboten mit zunehmendem Alter schwächer wird. Gepaart mit der Einsamkeit vieler Senioren spielen diese Fakten den Tätern direkt in die Hände.

Altbekannt: der Enkel-Trick

Die Täter tarnen sich am Telefon als Verwandte oder Bekannte. Es gibt leider inzwischen viele Varianten des „Enkel-Tricks“, weshalb die Täter auch immer noch Erfolg damit haben – obwohl die Opfer von dieser Betrugsmethode schon gehört haben. So könnte dem Angerufenen eine Schreckensgeschichte aufgetischt werden, dass durch eine Notlage, z. B. einen Unfall, eines Verwandten dieser dringend finanzielle Hilfe benötigt. Allerdings kann der Neffe/Enkel/Sohn natürlich nicht selbst kommen und schickt daher einen Boten. Der schockierte Angehörige möchte helfen – und übergibt einem Wildfremden das verlangte Geld.

In einer anderen Variante dieser Masche ist der erste Satz der Betrüger „Rate mal, wer hier spricht“. So eine Frage kann einen älteren Menschen, der vielleicht schon von seinen Kindern angeraten bekommen hat, den Lebensabend in einem Heim zu verbringen, unter enormen Druck setzen. Schließlich will man vor Verwandten nicht als begriffsstutzig dastehen. Daher raten viele einfach einen Namen – und die erste Hürde für den Betrüger ist genommen. „Genau!“ Und dann folgt meist die Geschichte, warum der vermeintliche Verwandte ganz schnell finanzielle Hilfe benötigt und daher kurz jemanden schickt, der das Geld abholt.

Der „Bankmitarbeiter“ verlangt die PIN-Nummer

Auch diese Masche ist wohlbekannt. Der Anrufer gibt sich als Bankmitarbeiter aus und ist in dieser Rolle so überzeugend, dass das Betrugsopfer die Geschichte von den Hackern, die in das Computersystem der Bank eingedrungen sind, sofort glaubt. Der Anrufer erfragt zur Rettung des Geldes auf dem Konto nun die PIN-Nummer. Beim Besuch des im Telefonat angekündigten Bankkollegen händigen die verunsicherten Senioren diesem auch arglos die dazugehörige Karte aus. Die Betrüger können in aller Ruhe das Tageslimit des Kontos am Geldautomaten ausschöpfen.

Sie haben gewonnen!

Gewinnspielbenachrichtigungen sind nach wie vor äußerst beliebt und werden erfolgreich von den Betrügern eingesetzt. Der Anrufer teilt hier dem Opfer mit, dass man eine größere Summe gewonnen hat, meist im fünfstelligen Bereich. Und wer meint, dass man darauf nicht reinfallen kann, weil er ja an keinen Gewinnspielen teilnimmt, der sei gewarnt: Die Täter wirken absolut überzeugend und glaubwürdig am Telefon, haben auf alle zweifelnden Fragen eine passende Antwort parat. Und haben sie ihr Opfer dann erst einmal von dem Gewinn selbst überzeugt, so ist es für sie ein Leichtes, dieses dann auch zur Vorab-Zahlung von Verwaltungskosten oder Auslagen zu überreden.

Ein Anruf der Polizei

Bei diesem Telefontrick gibt sich der Betrüger sehr überzeugend als Polizist oder Staatsanwalt aus. Dem Angerufenen wird mitgeteilt, dass sein Geld auf der Bank in Gefahr sei. Es müsse in Sicherheit gebracht werden. Tatsächlich sind die Gauner so überzeugend mit dieser Masche, dass immer wieder Senioren auf den dreisten Anruf hin zur Bank eilen, große Summen abheben und diese dann den „Polizisten“ übergeben, die natürlich persönlich vorbeikommen zur Abholung.

Von diesen vier bekanntesten Betrugs-Maschen gibt es viele verschiedene Varianten – manche besser, manche auch fast dilettantisch ausgeführt. Jedoch haben alle gemeinsam, dass die Anrufenden so überzeugend am Telefon agieren, dass die überwiegend älteren Opfer sich der Überzeugungskraft der Betrüger nicht mehr entziehen können, sobald sie sich auf ein Gespräch eingelassen haben.

Telefonbetrug erkennen

© photographee – fotolia.com

 

Wie kann man eine Telefonabzocke erkennen?

Einen beabsichtigten Telefon-Betrug erkennt man nicht so leicht, wie man es sich vorstellt. Die Anrufer sind sehr freundliche, gebildete und eloquente junge Menschen, die am Telefon in die unterschiedlichsten Rollen schlüpfen können. Sie kommen extrem glaubwürdig rüber, können Sprache, Begriffe und Ausdrucksweisen perfekt einsetzen bzw. imitieren.

Daher sollte man vor allem auf folgende Dinge achten:

  • Vorsicht, wenn ein Gewinn, Rechnungen oder Strafen angekündigt bzw. angemahnt werden!
  • Vorsicht, wenn Geld gefordert wird!
  • Vorsicht, wenn angeblich ein Polizist oder eine andere Amtsperson am Telefon ist.
  • Vorsicht, wenn angeblich Ihre Bank anruft.
  • Vorsicht, wenn Sie die anrufende Person gar nicht kennen

 

Wie sollte man auf eine versuchte Telefonabzocke reagieren?

Bevor man auf eine Telefonabzocke reagieren muss, kann es auch schon hilfreich sein, vorbeugend solche Anrufe zu verhindern. Am einfachsten ist es, den Vornamen im Telefonbuch abkürzen oder den Eintrag sogar ganz löschen zu lassen. Die Täter erkennen bereits an den Vornamen, ob ein Mensch älter ist und welches Geschlecht sich hinter der Nummer verbirgt.

Lassen Sie sich auf gar keinen Fall auf ein Gespräch ein. Gegen die Betrüger haben Sie keine Chance. Kommt Ihnen der Anruf merkwürdig vor, dann einfach sofort auflegen. Wenden Sie sich an Ihre Familie, Freunde, Nachbarn oder Polizei und berichten Sie von dem Vorfall!

Ist angeblich eine Amtsperson wie Polizist (Notar oder Staatsanwalt o.ä.) am Telefon, so lassen Sie sich unbedingt den vollen Namen geben. Unter der zentralen Rufnummer des Polizeipräsidiums bitten Sie dann um die Verbindung zu der angeblichen Person.

Dies gilt auch für vermeintliche Anrufe Ihrer Bank. Lassen Sie sich den Namen des Anrufers geben und gehen Sie den Weg über die Zentrale Ihrer Bank, um sich wieder verbinden zu lassen. Nur so können Sie sicher sein, dass der Anruf „echt“ ist.

Ansonsten sollten Sie folgende Tipps beherzigen:

  • Niemals Ihre Kontoverbindung oder gar die PIN-Nummer an den vermeintlichen Bankmitarbeiter preisgeben. Diese Daten wird Ihre Bank nie am Telefon abfragen.
  • Niemals kostenpflichtige Rufnummern zurückrufen (0900 oder 0137)
  • Niemals einen Datenabgleich am Telefon vornehmen
  • Niemals unter Druck fremder Personen Überweisungen tätigen, besonders nicht ins Ausland oder über Zahlsysteme wie Western Union o.ä.
  • Niemals Ihnen fremden Personen Bargeld aushändigen

 

Was kann man tun, wenn man auf einen Telefonbetrug hereingefallen ist?

Zunächst einmal heißt es: Ruhe bewahren. Wenden Sie sich an eine Vertrauensperson zur Unterstützung und ziehen Sie unbedingt die Polizei hinzu. Erstatten Sie ggf. Anzeige. Und denken Sie daran: Auf einen professionellen Trick-Betrüger hereinzufallen, ist keineswegs ein Zeichen für die eigene Dummheit oder dass man ansonsten dem Alltag nicht mehr gewachsen ist. Das sind kriminelle, spezialisierte „Profis“, derer man sich nur sehr schwer erwehren kann.

Als Opfer einer Straftat ist es am sinnvollsten, zunächst das Geschehene, das Telefonat, so genau wie möglich zu dokumentieren, solange auch Einzelheiten noch präsent sind. So sind Sie im Falle späterer Rechtsstreitigkeiten nicht nur auf Ihre Erinnerung angewiesen. Den Anruf können Sie in Form eines Gedächtnis-Protokolls niederschreiben.

Verbraucherzentrale-bei-Telefonbetrug-informieren

© Thomas Reimer – fotolia.com

Wichtig ist vor allem, dass Sie sich daran erinnern, was Sie im Gespräch genau gesagt haben und ob eine eventuell getane eigene Äußerung als Willenserklärung verstanden werden kann. Dies ist beispielsweise bei telefonisch abgeschlossenen Verträgen wichtig. Seien Sie beruhigt: Mit großer Wahrscheinlichkeit kam ein solcher Vertrag rein rechtlich gar nicht zustande. Aber ausschließen sollte man es auch nicht. Zumindest bleibt Ihnen dann noch der Gebrauch Ihres Widerrufsrechts.

Haben Sie evtl. Ihre Kontodaten preisgegeben? Dann benachrichtigen Sie auch Ihre Bank von dem Vorfall und beobachten Sie Ihr Konto genau. Abzocker arbeiten gerne mit Lastschriften. Ist eine Abbuchung ohne Ihre Genehmigung erfolgt, können Sie bei der Bank eine kostenfreie Rückbuchung beantragen.

Sie sollten sich evtl. an eine Verbraucherzentrale wenden, die mit solchen Fällen bestens vertraut ist und Ihnen auch eine Einzelfallberatung bieten kann. Dort erhalten Sie die zu Ihrem Fall passende Unterstützung und wertvolle Tipps, wie Sie weiter vorgehen können.

 

Fazit

Telefonbetrug ist trotz aller Aufklärung nach wie vor ein weitverbreitetes Phänomen. Senioren sind die bevorzugten Opfer wenn es darum geht, Menschen um ihr Erspartes zu bringen. Kennt man die Maschen der Betrüger und beachtet man einige Verhaltensmaßregeln, so bestehen jedoch gute Chancen, einen Betrugsversuch abzuwehren bzw. die negativen Folgen einer Abzocke zu minimieren.

In diesem Sinne: Seien Sie auf der Hut!

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