Dr. Marion Steinbach

Medikamente am Steuer

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17.10.2012 0

Medikamente am Steuer - Bild 1 (© DVR)

© DVR

Von Alkohol und Drogen am Steuer hört man oft. Aber Medikamente am Steuer – das ist kaum ein Thema. Sollte es aber, denn die Gefahr wird massiv unterschätzt. Oder hätten Sie gedacht, dass sich von den etwa 55.000 im Handel befindlichen Arzneimitteln rund 2.800, also fünf Prozent negativ auf die Fahrtüchtigkeit auswirken können? Und dass es bei den verschreibungspflichtigen Medikamenten sogar 50 Prozent sind? Um hier Wissenslücken zu schließen, hat der Deutsche Verkehrssicherheitsrat ein eigenes Medikamentenportal ins Leben gerufen. Ein paar grundlegende Informationen haben wir für Sie zusammengestellt:

Gefährliche Nebenwirkungen

Besondere Auswirkungen auf die Fahrtüchtigkeit haben zentralwirksame Medikamente wie Schlafmittel, Beruhigungsmittel und Schmerzmittel, die im Gehirn und im Rückenmark wirken. Aber auch andere Medikamente können Wirkstoffe enthalten, die die Fahrtauglichkeit einschränken: Hierzu gehören Mittel gegen Allergien, Bluthochdruck, Magen-Darm-Erkrankungen, Herzmittel (Koronarmittel) sowie Erkältungsmittel oder Psychopharmaka. Scheinbar harmlose Helfer wie Hustensaft oder Nasentropfen können das Reaktionsvermögen, das ja durch die Erkältung möglicherweise ohnehin schon geschwächt ist, zusätzlich beeinträchtigen.

Bedenken sollten Sie auch, dass viele Wirkstoffe müde machen. Die Folge: Umweltreize werden dann nicht mehr rechtzeitig wahrgenommen und erkannt, die Reaktion ist verlangsamt – und kommt womöglich zu spät.

Auch andere Nebenwirkungen wie Schwindel, Übelkeit, Sehstörungen, Unruhe, starkes Schwitzen, Konzentrationsschwäche oder starke Blutdruckschwankungen schränken die Fähigkeit zur Teilnahme am Straßenverkehr ein.

Wechselwirkungen beachten

Gerade wenn Sie ein Medikament regelmäßig nehmen, sollten Sie an mögliche Wechselwirkungen denken. Das betrifft sowohl die Wechselwirkung mit Alkohol als auch mit anderen Arzneimitteln. So kann es beispielsweise passieren, dass die Wirkung abgeschwächt, aufgehoben oder verzögert wird, aber auch, dass diese verstärkt oder beschleunigt wird.

Denken Sie auch an die möglichen Wechselwirkungen im Zusammenhang mit Lebensmitteln oder Getränken. Beides kann die Wirkung der jeweiligen Arzneistoffe negativ beeinflussen. Bekannt ist der Einfluss von Milch und bestimmten Fruchtsäften auf Medikamente. Am besten, Sie nehmen die Tabletten, Kapseln etc. mit klarem Wasser.

Beipackzettel oft nicht erschöpfend

Viele Warnungen vor Wechselwirkungen sind auf den Beipackzetteln vermerkt, aber natürlich nicht alle. Sind Sie unsicher, ob sie ein Medikament einnehmen dürfen, besprechen Sie dies mit Ihrem Arzt oder Apotheker. Wussten Sie, dass beide gesetzlich dazu verpflichtet sind, Sie zu beraten?

Auch, wenn die Gegenanzeigen auf dem Beipackzettel nicht erschöpfend sind – bewahren Sie ihn so lange auf, wie Sie das Medikament nehmen und werfen Sie ihn erst nach dem endgültigen Verbrauch des Medikamentes weg. So können Sie jederzeit noch einmal mögliche Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen nachlesen. Wenn Sie häufiger oder dauerhaft immer dasselbe Medikament einnehmen, lesen Sie dennoch regelmäßig die Packungsbeilage und überprüfen Sie, ob sich nicht vielleicht etwas geändert hat. Denn schließlich gibt es immer wieder neue Erkenntnisse zur Wirkungsweise von Medikamenten.

Fatale Folgen bei Nichtbeachten

Abgesehen von der Gefahr, der Sie sich aussetzen, wenn Sie trotz Einnahme von Medikamenten Auto fahren, sollten Sie auch die rechtlichen Seiten bedenken: Denn, wenn Sie trotz eingeschränkter Fahrtüchtigkeit fahren und dadurch Leib oder Leben eines anderen Menschen gefährden, können Sie mit Freiheits- oder Geldstrafen belangt werden (Paragraf 315 und 316 Strafgesetzbuch (StGB)). Außerdem droht Ihnen der Verlust des Versicherungsschutzes sowie Bußgelder und Führerscheinentzug.

Wenn Sie mehr wissen wollen: Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat hat eine eigene Seite mit vielen detaillierten Informationen zum Thema Medikamente und Straßenverkehr geschaffen. Sie erreichen das Medikamentenportal auch über die Hauptseite des DVR unter www.dvr.de.

Wichtiger Hinweis zum Artikel:

Unsere Beiträge dienen der allgemeinen Erstinformation und erheben keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit in jedem Einzelfall, Vollständigkeit oder Aktualität. Sie können und sollen keinesfalls eine anwaltliche, steuerliche oder ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung oder den Rat eines Apothekers (z.B. zur Einnahme von Medikamenten) ersetzen. Informationen über gesundheitliche Versorgungsmaßnahmen ersetzen keinesfalls den Besuch eines Erste-Hilfe-Kurses oder einer sonstigen Einübung oder eine Qualifikation zur Ausübung der Maßnahme.

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