Tanja Schilling

Hausnotruf – Das Gefühl der Sicherheit: Ein Überblick zu Kosten und Funktionen

  • Diese Seite bei Facebook empfehlen
  • Diese Seite bei Twitter empfehlen
  • Diese Seite bei Google+ empfehlen

22.02.2016 0

Hausnotruf (© www.ingo-bartussek.de – fotolia.de)

© www.ingo-bartussek.de – fotolia.de

Bis ins hohe Alter ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden zu führen, ist für aktive Senioren ein hohes Gut. Freunde und Nachbarn treffen, in gewohnter Umgebung einkaufen, den Garten genießen – das alles bedeutet Lebensqualität. Und doch treibt viele allein lebende Senioren und ihre Angehörigen die Frage um, was passiert, wenn sie nach einem Sturz oder Schwächeanfall zuhause doch einmal Hilfe brauchen. Ein Hausnotruf kann diese Sorgen nehmen.

Überblick:

  1. Was ist ein Hausnotruf?
  2. Für wen ist ein Hausnotruf geeignet?
  3. Wie funktioniert ein Hausnotruf?
  4. Was kostet ein Hausnotruf?
  5. Finanzierungsmöglichkeiten
  6. Fazit

 

Was ist ein Hausnotruf?

Das System Hausnotruf ist ebenso einfach wie effektiv: Die Teilnehmer tragen zuhause einen kleinen Sender am Körper und können im Notfall per Knopfdruck eine Telefonverbindung zur Hausnotrufzentrale herstellen. Das Hausnotrufgerät besteht neben dem Sender aus einer fest installierten Basisstation, die an das Telefonnetz angeschlossen ist.

Anders als beim Handy oder beim schnurlosen Telefon muss am Hausnotrufgerät im Notfall nur ein einziger Knopf gedrückt werden. Ausführliche Erklärungen zur Person sind ebenfalls nicht nötig, die Notrufzentrale kann den Anrufer direkt identifizieren und hat alle wichtigen Daten vorliegen. Je nach gebuchter Leistung benachrichtigt die Einsatzzentrale im Notfall umgehend eine Vertrauensperson (Verwandte, Nachbarn etc.) oder schickt selbst Hilfe.

Der Hausnotruf ist ein bewährtes System, das bereits Anfang der 1970er-Jahre von Wilhelm Hormann in Wilhelmshaven konzipiert wurde. Sein Ziel war es, Kranken, Alten, Alleinlebenden und Behinderten ein autonomes Leben zu ermöglichen. Hormann setzte seine Idee mithilfe der Industrie und öffentlicher Mittel um, 1980 kam schließlich das erste Hausnotrufsystem auf den Markt.

Mit den klobigen Apparaten der ersten Generation haben moderne Hausnotrufgeräte glücklicherweise nichts mehr gemein, der Zweck ist jedoch der gleiche geblieben: Sie geben ihren Nutzern ein großes Stück mehr Freiheit und Unabhängigkeit.

 

Für wen ist ein Hausnotruf geeignet?

Hausnotrufsysteme ermöglichen allein lebenden Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden. Das gilt zum Beispiel für gehbehinderte und chronisch kranke Menschen, ganz besonders aber für Senioren.

Hausnotruf-Gerät

© Sir_Oliver – fotolia.de

Rund 30 Prozent der über 65-Jährigen stürzen mindestens einmal pro Jahr. Meistens gehen die Stürze glimpflich aus, doch gerade hochbetagte Menschen schaffen es nach einem Sturz oft nicht, selbstständig wieder auf die Beine zu kommen. Hinzu kommt, dass Verwandte und Freunde sich oft große Sorgen machen. Das betrifft gerade die erwachsenen Kinder, die heute oft in großer Entfernung leben und trotzdem sicher sein wollen, dass den Eltern nichts passiert. Ein Hausnotruf gibt damit nicht nur den Nutzern, sondern auch deren Angehörigen ein Gefühl der Sicherheit.

Wer sich unsicher darüber ist, ob die Anschaffung eines Hausnotrufsystems sinnvoll ist, kann sich an den folgenden Checkpunkten orientieren. Je mehr Aussagen zutreffen, desto sinnvoller erscheint die Installation eines Hausnotrufs:

    • Ich bin überwiegend alleine in meiner Wohnung.
    • Ich habe Angst zu stürzen und mich dabei zu verletzen.
    • Es fällt mir schwer, alleine zu duschen oder zu baden.
    • Mir ist manchmal schwindelig.
    • Ich fühle mich nicht mehr so sicher auf den Beinen.
    • Ich bin gehbehindert.
    • Ich bin schon einmal in meiner Wohnung gestürzt.
    • Ich hatte bereits einmal einen Schwächeanfall.
    • Ich hatte schon einen Herzinfarkt oder Schlaganfall.
    • Ich leide unter einer chronischen Krankheit wie Asthma, Diabetes mellitus oder Epilepsie.

 

Wie funktioniert ein Hausnotruf?

In Deutschland werden zahlreiche Hausnotrufsysteme angeboten, das Grundprinzip ist dabei immer das gleiche: Der Nutzer kann über einen Notknopf den Hausnotruf auslösen und so eine Verbindung zur Notrufzentrale herstellen. Der wasserdichte Sender wird entweder wie eine Uhr am Arm getragen oder an einer Kette um den Hals. Die Basisstation des Hausnotrufgeräts wird an die Telefonbuchse und ans Stromnetz angeschlossen. Ihr Mikrofon und Lautsprecher sind so leistungsstark, dass eine Kommunikation auch durch Wände hindurch funktioniert. Der Funksender hat normalerweise eine Reichweite von mindestens 50 Metern. Bei der Installation des Hausrotrufs sollte man darauf achten, dass der Funksender in der gesamten Wohnung eine Verbindung zur Basisstation herstellen kann.

Hausnotruf-Sender

© www.ingo-bartussek.de – fotolia.de

Sobald über den Notknopf der Hausnotruf ausgelöst wird, spricht ein Mitarbeiter der ständig besetzten Notrufzentrale über den Lautsprecher mit dem Betroffenen. Er informiert je nach Bedarf Angehörige oder den Rettungsdienst und leitet auch Hilfsmaßnahmen ein, wenn ein Nutzer sich nicht mehr artikulieren kann.

Daneben gibt es auch Hausnotrufsysteme, die nicht an eine Notrufzentrale gekoppelt sind, sondern im Notfall automatisch bis zu zehn festgelegte Telefonnummern anwählen. Wird per Notknopf der Hausnotruf aktiviert, wählt das System so lange diese Nummern an, bis jemand abnimmt und mit dem Hilfesuchenden redet. Falls dieser nicht mehr sprechen kann, nennt das System automatisch den Namen und die Anschrift des Betroffenen.

Eine zusätzliche Absicherung zum aktiven Hilferuf bietet der Passivalarm. Bei dieser Funktion des Hausnotrufs muss der Teilnehmer regelmäßig eine Taste an der Basisstation drücken und damit signalisieren, dass alles in Ordnung ist. Falls diese Bestätigung über eine längere Zeit nicht erfolgt, nimmt die Notrufzentrale Kontakt auf und lässt gegebenenfalls vor Ort überprüfen, ob alles in Ordnung ist.

Einige Dienstleister bieten zusätzlich einen speziellen Fallsensor zum Hausnotruf. Wenn ein Nutzer stürzt und sich nicht innerhalb einiger Sekunden wieder bewegt, löst der Falldetektor den Hausnotruf automatisch aus. So wird verhindert, dass ein Alarm ausbleibt, weil der Betroffene bewusstlos ist oder sich nicht mehr bewegen kann.

 

Was kostet ein Hausnotruf?

Die Kosten für ein Hausnotrufsystem setzen sich aus mehreren Komponenten zusammen und hängen davon ab, welche Leistungen benötigt werden. Die Frage, was ein Hausnotruf kostet, lässt sich daher nicht pauschal beantworten. Die Preise für eine Basisversorgung sind jedoch überschaubar und bei Vorliegen einer Pflegestufe und Erstattung durch die Pflegeversicherung ist für Senioren und Hilfsbedürftige der Hausnotruf kostenlos.

Hausnotruf-Basisstation

© www.stills-online.de – fotolia.de

Die erstmalige Installation des Hausnotrufs wird meist extra berechnet. Die Kosten hierfür variieren beträchtlich, zwischen 10 und 80 Euro müssen einmalig für den Anschluss bezahlt werden. Ab einer Vertragslaufzeit von einem Jahr installieren einige Unternehmen den Hausnotruf kostenlos.

Viele Anbieter bieten einen Grundtarif in Höhe von 18,36 Euro monatlich an. Das entspricht genau dem Zuschuss, den die Pflegekasse unter bestimmten Voraussetzungen für den Hausnotruf bezahlt. In diesem Tarif leistet die Notrufzentrale im Notfall telefonische Unterstützung und kontaktiert Bezugspersonen, die einen Schlüssel zur Wohnung haben.

Teurer wird es, wenn bei der Notrufzentrale ein Schlüssel hinterlegt ist und der Anbieter im Notfall eigenes Personal oder einen Pflegedienst zur Wohnung schickt. Mit diesem erweiterten Service kostet der Hausnotruf rund 50 Euro monatlich.

Die genauen Preismodelle unterscheiden sich allerdings je nach Anbieter stark. So sind bei manchen Dienstleistern die Kosten für einen Hausbesuch und Hilfeleistungen vor Ort bereits in der monatlichen Grundgebühr enthalten, bei anderen muss jeder Einsatz extra bezahlt werden. Auch bei den Kosten für die Hinterlegung eines Schlüssels gibt es große Unterschiede.

Wer sich für ein Hausnotrufsystem interessiert, sollte also im Vorfeld unbedingt Preise vergleichen. Wichtig ist dabei, nicht nur einen Vergleich der Kosten für den Hausnotruf durchzuführen, sondern auch die Leistungen der verschiedenen Anbieter zu überprüfen und sich die Vertragsbedingungen genau anzusehen. Hilfreich sind insbesondere eine umfassende Beratung und eine Einweisung in die Bedienung vor Ort.

Viele Anbieter haben neben dem eigentlichen Hausnotruf auch zahlreiche Zusatzleistungen im Programm. Dazu gehören zum Beispiel Funk-Rauchmelder, Bewegungsmelder, die Erinnerung an die Medikamenteneinnahme oder Fahrdienste. All diese Angebote kosten natürlich extra, Interessenten sollten daher genau überlegen, welche Leistungen notwendig und sinnvoll sind.

 

Finanzierungsmöglichkeiten

In der Regel müssen alle Kosten vom Kunden selbst getragen werden. Unter bestimmten Voraussetzungen gibt es jedoch beim Hausnotruf einen Zuschuss der Pflegekasse.

Was bezahlt die Pflegeversicherung für einen Hausnotruf?

Da der Hausnotruf ein offiziell anerkanntes Hilfsmittel für Senioren ist, bezahlt die Pflegeversicherung den Hausnotruf bei anerkannter Pflegebedürftigkeit. Das gilt jedoch nur für eine einmalige Anschlussgebühr von höchstens 10,49 Euro und eine monatliche Grundgebühr von maximal 18,36 Euro. Wenn die tatsächlichen Kosten höher sind als der festgelegte Zuschuss zum Hausnotruf, müssen die Versicherten die Differenz selbst tragen. Voraussetzungen für die Kostenübernahme des Hausnotrufs sind, dass der Pflegebedürftige überwiegend alleine in seiner Wohnung lebt und damit gerechnet werden muss, dass jederzeit eine Situation eintreten kann, in der er auf Hilfe über das Notrufsystem angewiesen ist. Wer Grundsicherungsleistungen bezieht, bekommt vom Sozialamt unter bestimmten Voraussetzungen die vollen Kosten für den Hausnotruf erstattet. Dabei kommt es auf die genaue Ausgestaltung des Vertrags an.

Bezahlt die Krankenkasse den Hausnotruf?

Die Krankenkasse beteiligt sich nicht an den Kosten für den Hausnotruf, sondern kommt erst ins Spiel, wenn ein Notfall eingetreten ist. Sie bezahlt für die anschließende medizinische Behandlung, die durch den Notfall notwendig geworden ist.

 

Fazit

Hausnotrufgeräte sorgen auf einfache und effektive Weise dafür, dass allein lebende Menschen nach einem Sturz oder Schwächeanfall in der eigenen Wohnung schnell Hilfe erhalten. Das schafft nicht nur Sicherheit für die Betroffenen, sondern beruhigt auch Verwandte und Freunde. Die Kosten für den Hausnotruf hängen von der Ausstattung des gewählten Tarifs ab. Bei der Auswahl eines Anbieters sollten daher nicht nur die Preise, sondern auch die enthaltenen Leistungen genau verglichen werden. Eine Basisversion ist schon für wenig Geld zu haben und unter bestimmten Voraussetzungen erhalten Pflegebedürftige den Hausnotruf kostenlos.

VN:F [1.9.22_1171]
Bewertung: 4.0/6 (4 Bewertungen insgesamt)
Hausnotruf – Das Gefühl der Sicherheit: Ein Überblick zu Kosten und Funktionen, 4.0 out of 6 based on 4 ratings
  • Diese Seite bei Facebook empfehlen
  • Diese Seite bei Twitter empfehlen
  • Diese Seite bei Google+ empfehlen

Schreiben Sie einen Kommetar


Die mit * gekennzeichneten Felder sind erforderlich.