Tanja Schilling

Stress im Alter: So bleiben Sie gesund und gelassen

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15.01.2016 1

Stress-im-Alter (© contrastwerkstatt – fotolia.com)

© contrastwerkstatt – fotolia.com

Ruhestand! Endlich Zeit, sich zu erholen und zu entspannen. Zumindest ist dies eine landläufige Vorstellung. Doch tatsächlich stellt sich die Situation im Alter für viele Senioren ganz anders dar. Plötzlich ist er da, der „Stress im Alter“ – obwohl man doch die Freizeit genießen und mit Dingen füllen könnte, die man gerne tut. Die Realität sieht jedoch für viele Menschen ganz anders aus, wenn sie entweder unendlich viel Zeit haben, die es zu füllen gibt, oder beispielsweise neue Aufgaben entstehen, ein neuer Lebensrhythmus den Alltag bestimmt, auf den sich Kopf und Körper nicht mehr richtig einstellen wollen. Mehr Stress im Alter also?

 

Überblick:

  1. Was versteht man eigentlich unter Stress?
  2. Ursachen von Stress im Alter
  3. Stresssymptome erkennen
  4. Tipps zum Stressabbau
  5. Checkliste: Stressbewältigung im Alter
  6. Fazit

 

Was versteht man eigentlich unter Stress?

Stress: ein ständig bemühtes und daher abgegriffenes Wort. Wer ist denn heutzutage nicht gestresst? Selbst kleine Kinder sind schon Opfer von Stress und können darüber dozieren.

Wir nähern uns diesem Thema mit einer Stress-Definition:

Stress ist die chemische Reaktion unseres Körpers auf eine bestimmte Situation. Diese kann plötzlicher, kurzfristiger Natur oder auch ein langfristiger, sich stetig aufbauender stressiger Zustand sein. Auf alle Fälle schätzen wir diese als bedrohlich oder gar gefährlich ein und unser Körper schüttet als Reaktion Adrenalin und Nordrenalin aus. Dadurch wurde zu Urzeiten unser Körper für einen Kampf oder die Flucht gerüstet.

Auch wenn unsere grundsätzliche Lebenssituation nun eine ganz andere ist – auch heutzutage haben wir „Feinde“: Ereignisse, die wir als unangenehm, lästig und bedrohlich ansehen. Der physische Mechanismus ist dann der gleiche wie vor Jahrtausenden. Nur, dass wir weder mit Kampf oder Flucht die Anspannung des Körpers entladen können, sondern diese in unserem Körper verbleibt. So entstehen über einen längeren Zeitraum ständigen Stresses hinweg unterschiedlichste Stresssymptome.

 

Ursachen von Stress im Alter

Das Leben fordert einem unentwegt die Fähigkeit zur Anpassung und Entwicklung ab. Das ist auch im Alter nicht anders. Die begleitenden Anforderungen, die das Älterwerden mit sich bringt, können das zuvor im Leben gewonnene Gleichgewicht leicht wieder aushebeln. Überforderung entsteht – der Stress im Alter.

Ruhestand: Was kommt nach der Arbeit?

Für viele Menschen wird der zuvor noch herbeigesehnte Ruhestand zu einer problematischen Situation. Als eine Ursache von Stress wird die entstandene Leere identifiziert. Denn was vorher Struktur verliehen hat, Lebensinhalt und Grundlage des sozialen Status war, das ist plötzlich nicht mehr da. Manch einer scheitert daran, die gewonnene freie Zeit sinnvoll zu füllen. Andere wiederum muten sich zu viel zu, stopfen den Terminkalender übervoll mit Sport, Verein, Familie und Hobby.

Beziehungskiste: Wenn der Partner ständig da ist

Da ist man so lange zusammen – und muss sich nun trotzdem erst wieder aneinander gewöhnen und aufeinander einstellen. Die Paarbeziehung von „Neu-Rentnern“ gestaltet sich oftmals schwierig, wenn man plötzlich 24 Stunden täglich miteinander zu tun hat.
Eine besondere Belastung und somit Stress-Ursache stellen die Krankheit oder Pflegebedürftigkeit des Partners dar. Dies überlastet Senioren massiv. Sich rund um die Uhr um den Partner zu kümmern, alleinige Verantwortung zu tragen, Entscheidungen treffen zu müssen, lassen keine Zeit mehr, an sich, die eigene Erholung oder gar an soziale Kontakte zu denken.

Einsamkeit: Rückzug aus dem Leben

Alleinstehenden Menschen droht im Alter oft ein Leben in Einsamkeit, sobald die sozialen Kontakte durch die tägliche Arbeit oder aufgrund von Tod von Freunden und Bekannten wegfallen. Eine psychisch sehr stressige Lebenssituation und oft Beginn eines Teufelskreises der Vereinsamung, aus der viele Senioren nur mit Hilfe wieder herausfinden können.

Krankheit: die Angst vor der Abhängigkeit

Besonders im Ruhestand fangen viele Senioren an, ganz genau den eigenen Körper zu beobachten und bewusster die körperlichen Symptome des Älterwerdens wahrzunehmen. Stress entsteht durch die wachsende Angst vor Krankheit und Gebrechlichkeit, vor dem Verlust der körperlichen Unabhängigkeit.
Und ist es dann tatsächlich so, dass eine Krankheit das Leben bestimmt, so fällt es den meisten Menschen schwer, ruhig oder gar gelassen der Situation gegenüberzutreten. Die aufgrund einer Behinderung, einer Krankheit oder des abbauenden Körpers eingeschränkte Bewegungsfreiheit, der Schmerz und die eventuelle Abhängigkeit ist für die meisten Menschen beängstigend. Selbst lange, bevor es dazu kommt, kann allein die Vorstellung körperlichen Stress auslösen.

Finanzielle Unabhängigkeit: neue Verbindlichkeiten

Altersarmut ist nicht nur ein geflügeltes Wort und Schreckgespenst, sondern für viele Menschen harte Realität. Allein die Vorstellung, dass man sich das Leben im Alter aufgrund einer zu geringen Rente nicht mehr leisten kann oder wegen einer Pflegesituation alle Ersparnisse und Einkünfte schnell aufgebraucht sind, sodass ggf. auch die Kinder in die finanzielle Verantwortung gezogen werden, ist eine sehr reale Ursache für Stress.

 

Stress im Alter vermeiden durch Gelassenheit

© lidomo – fotolia.com

 

Das Alter als Mittel gegen Stress?

Die sogenannte „Gelassenheit des Alters“ halten viele für ein Gerücht. Jedoch ist da tatsächlich etwas dran, wie Forscher der Universitäten Heidelberg und Colorado in einer Studie über die Stressverarbeitung im Alter feststellten. Diese konnte nachweisen, dass sich im Alter die Fähigkeit, unter schwierigen Lebensumständen die seelische Stabilität zu bewahren, verbessert. Zwar reagieren ältere Menschen auf stressige Situationen genauso stark wie jüngere, jedoch erholen sie sich laut Studie schneller davon.

 

Stresssymptome erkennen

Jeder Mensch reagiert anders auf Stress. Allgemein bekannt sind die Stress-Kopfschmerzen oder Stress-Magenschmerzen. Da macht das Alter dann weniger aus als die individuelle Veranlagung. Schätzen wir eine Situation als belastend ein, so schüttet der Körper verschiedene Stresshormone aus. Erfährt der Körper keine „Entwarnung“, werden diese Hormone nicht abgebaut, die Anspannung bleibt erhalten und er befindet sich im Dauerstress. Es kommt zu sogenannten Stresssymptomen.

Die Symptome verteilen sich auf vier Bereiche:

  • Körper
  • Geist
  • Gefühl
  • Verhalten

Wie man Stress „spürt“ oder ausdrückt, ist bei jedem Menschen verschieden und hängt damit zusammen, wo man von Geburt an seine „körperlichen Schwachstellen“ hat, an denen sich Stress besonders bemerkbar macht.

Bekannte Stress-Symptome sind:

  • Schmerzen (Kopfschmerzen, Nackenschmerzen, Rückenschmerzen, …)
  • Herz- und Kreislaufbeschwerden (Bluthochdruck, Herzrasen, Atemnot, Schwitzen, …)
  • Appetitlosigkeit oder Heißhunger
  • Störungen des Magen-Darmtraktes (Durchfall, Reizmagen, Sodbrennen, …)
  • Schlafstörungen
  • Muskelkrämpfe
  • Allergien (Ausschlag, Juckreiz, …)
  • Konzentrationsstörungen (Denkblockaden, Vergesslichkeit, Wortfindungsprobleme, …)
  • Ruhe- und Rastlosigkeit (Nervosität)
  • Chronische Müdigkeit (Antriebslosigkeit)
  • Hilflosigkeit (fremdbestimmt fühlen, Überforderung, …)
  • Innerliche Unruhe
  • Schlechte Laune, Gereiztheit, Aggressivität
  • Angst
  • Depression

 

Tipps zum Stressabbau

Tipp 1: Zeit für Ruhe

Fordern Sie nicht zu viel von sich und setzen Sie sich auf keinen Fall unter Druck, dieses oder jenes noch schaffen zu müssen. Morgen ist auch noch ein Tag. Bedenken Sie, dass Ihr Körper nicht mehr ganz jung ist und daher etwas Rücksicht benötigt. Planen Sie zwischen Aktivitäten, seien sie körperlicher oder geistiger Natur, ausreichend Erholungspausen ein. Schlafen Sie genügend, denn Müdigkeit verstärkt den Stress. Nehmen Sie sich daher die Zeit für ein stressminderndes Mittagsschläfchen.

 

Stressabbau durch Zeit für Ruhe

© Janni – Fotolia.com

 

Tipp 2: ausgewogene Ernährung

Ernähren Sie sich gesund! Es sind solche Lebensmittel empfehlenswert, die einen niedrigen Energiegehalt und gleichzeitig eine hohe Nährstoffdichte haben, da sich der Energiebedarf im Alter verringert bei gleichbleibendem Nährstoffbedarf. Wichtig ist außerdem, auf ausreichend Flüssigkeit (1,5 l pro Tag) zu achten in Form von Wasser oder ungesüßten Tees oder Saftschorlen.

Tipp 3: autogenes Training

Wer sich mental darauf einlassen kann, der findet im autogenen Training, einer leichten Form der Selbsthypnose, ein hervorragendes Mittel, sich zu beruhigen. Da dieses Training jedoch für Anfänger nicht ganz leicht ist, vermitteln beispielsweise Volkshochschulkurse wichtige Grundlagen dieser Entspannungstechnik.

Ähnlich beruhigend wirkt Yoga: Yogaübungen halten den Körper fit, sorgen für ein gutes körperliches Gleichgewicht und wirken wohltuend auf Geist und Seele. Natürlich gibt es auch speziell für Senioren geeignete Übungen. Es ist aber wichtig, Yoga unter der Anleitung eines ausgebildeten Yogalehrers zu erlernen.

Tipp 4: Bewegung

Sport stärkt Körper und Geist – das wissen wir alle. Ein gesunder Körper kann dabei auch besser mit Stress umgehen. Mit regelmäßiger sportlicher, auch ganz sanfter, Betätigung können Sie viel erreichen: Das Herz-Kreislauf-System wird gestärkt und die Muskulatur gekräftigt. Bewegung fördert zudem das Wohlbefinden und macht psychisch ausgeglichener. Immer mehr Sport- und Fitnesszentren stellen sich auf die wachsende Zahl an Senioren ein, die ihre Gesundheit sportlich fördern wollen.

Tipp 5: Soziale Kontakte

Pflegen Sie soziale Kontakte auch außerhalb der Familie und sprechen Sie dort über Ihren Stress. Gleichgesinnte können dabei am besten Ihre Ängste, Sorgen und Gefühle nachvollziehen, denn manch einem Außenstehenden wird Ihr Stress im Ruhestand eventuell nicht verständlich sein. Trauen Sie sich auch danach zu fragen, wie andere ihren Stress bewältigen.

Tipp 6: Um Hilfe bitten

Manchmal fällt es schwer, Hilfe anzunehmen. Schließlich hat man sein Leben lang alles selbstständig und unabhängig gemeistert. Wenn jetzt der Körper mehr und mehr Tätigkeiten, wie beispielsweise Einkäufe zu tragen, nicht mehr wohlwollend honoriert, so empfindet manch einer das als persönliches Versagen. Ein enormer Stressfaktor – gerade für Männer. Doch wenn man das eine nicht mehr ganz so gut hinbekommt und es einer hilfsbereiten Person überträgt, so lässt das mehr Zeit und Kraft, andere Dinge zu machen, die dann wieder viel besser gehen. Denken Sie positiv!

Tipp 7: Zeit sinnvoll gestalten

Früher hatten Sie kaum Zeit und nun so viel, dass Sie gar nicht wissen, was Sie damit anfangen können? Am besten, Sie schmieden Pläne für Ihre freie Zeit. Dazu muss nicht jede Minute des Tages verplant sein, aber eine neue Struktur für Ihren Alltag verleiht Halt und wirkt stressmindernd. Was wollten Sie früher denn schon immer mal machen? Eine Fremdsprache lernen, einen Tanzkurs belegen, sich ehrenamtlich engagieren … es gibt unendlich viele Möglichkeiten für Senioren, neue Interessen zu entdecken und spannende Aufgaben zu finden.

 

Checkliste zur Stressbewältigung im Alter:

  • Sich Zeit für Ruhe nehmen
  • Auf ausgewogene Ernährung achten
  • Autogenes Training, Yoga o.Ä.
  • Regelmäßige Bewegung sicherstellen
  • Soziale Kontakte pflegen
  • Um Hilfe bitten
  • Freie Zeit sinnvoll gestalten

 

Fazit:

Mit dem Alter verändert sich der Alltag. Viele Menschen reagieren darauf gestresst, können damit schlecht umgehen und durchleben echte Stresssymptome. Aber wer sein Problem erkennt, sich seinen Sorgen und Stressfaktoren bewusst stellt und auch bereit ist, für das eigene Wohlbefinden seinen Alltag ein klein wenig aktiv zu verändern, der findet für sich passende Wege zur Stressbewältigung und erhält wieder mehr Lebensfreude zurück.

 

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Kommentare

von Jutta am 17.01.2016

Wertvolle Tipps für den Alltag. Einiges davon mache ich bereits, habe aber nun den Vorsatz, 2016 noch entspannter anzugehen! Ich hoffe es klappt.

Liebe Grüße, Jutta