Das neue Pflegestärkungsgesetz II: Davon profitieren alle

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26.01.2017 0

 (© fotohansel – fotolia.com)

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Am 1. Januar 2017 entfaltet das zweite Pflegestärkungsgesetz (PSG II) seine volle Wirkung. Das heißt, dass seit Beginn des Jahres ein neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff und ein dazu passendes, neues Begutachtungsverfahren gelten. Von nun an werden körperliche mit geistigen und seelischen Beeinträchtigungen bei der Begutachtung gleichberechtigt berücksichtigt. Als Folge davon erhält jeder Bedürftige eine individuellere und zielgenauere Pflege. Auch Angehörige und Pflegekräfte kommen in den Genuss zahlreicher Verbesserungen. Damit ist das PSG II für alle ein großer Schritt nach vorn. Welche Vorteile im Einzelnen dazugehören, haben wir im Folgenden zusammengefasst.

 

Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff

Pflegebedürftigkeit wird neu definiert. Mit dem PSG II werden die bisherigen 3 Pflegestufen von 5 neuen Pflegegraden abgelöst. Was jetzt für die Einteilung in einen Pflegegrad zählt, ist der Grad der Selbstständigkeit einer pflegebedürftigen Person und nicht mehr der täglich benötigte Zeitaufwand, der den alten Pflegestufen zugrunde lag.

 

Pflegestaerkungsgesetz-Verbesserungen

 

Hintergrund für die Gesetzesnovelle: Die Pflegebedürftigkeit hatte sich bisher in erster Linie auf körperliche Beeinträchtigungen bezogen und wurde daher pflegebedürftigen Menschen mit kognitiven und psychischen Beeinträchtigungen nicht gerecht. Das betraf auch viele Menschen mit Demenzerkrankungen. Mit dem Pflegestärkungsgesetz II werden körperlich, geistig und psychisch bedingte Pflegebedürftigkeit gleichrangig angesehen und bewertet. Der Vorteil: Jetzt profitieren zusätzlich ca. 1,6 Millionen Menschen mit einer demenziellen Erkrankung, da ihre Beeinträchtigungen nun stärker berücksichtigt werden.

Die neuen 5 Pflegegrade

Pflegegrad 1
Der Pflegegrad 1 wird nur für neu eingestufte Personen vergeben. Ihn erhalten Personen, die noch viele Bereiche ihres Alltags selber bewältigen können, aber schon in gewissem Maß – zumeist körperlich – eingeschränkt sind und daher Unterstützung brauchen. Voraussetzung für den Pflegegrad 1 ist es, dass in der Begutachtung eine geringe Beeinträchtigung der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten festgestellt wird.

Pflegegrad 2
Der Pflegegrad 2 wird Personen mit erheblichen Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten zuteil. Sie erhalten diesen Pflegegrad, wenn sie ausschließlich wegen einer Demenz oder einer psychischen Erkrankung dauerhaft in ihrer Alltagskompetenz eingeschränkt sind oder ausschließlich körperlich beeinträchtigt sind und Leistungen der Pflegestufe 1 beziehen.

Pflegegrad 3
Der Pflegegrad 3 wird bei Personen mit schweren Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten gewährt. Diese schwere Beeinträchtigung kann durch Demenz oder eine andere psychische Erkrankung oder durch ein körperliches Handicap begründet sein.

Pflegegrad 4
Der Pflegegrad 4 wird bei Personen mit schwersten Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten vergeben. Das bedeutet, dass eine Selbstversorgung ohne Hilfe nicht möglich ist und ein erheblicher Pflegeaufwand benötigt wird.

Pflegegrad 5
Den Pflegegrad 5 erhalten pflegebedürftige Personen mit schwersten Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung. Hiermit ist quasi eine Rund-Um-die Uhr-Pflege gemeint.

 

Pflegestaerkungsgesetz-Aenderungen

Stärkere Pflege, von der mehr Menschen profitieren

Der neu geschaffene Pflegegrad 1 sorgt dafür, dass bis zu 500.000 Menschen zusätzlich in den nächsten Jahren Leistungen der Pflegeversicherungen erhalten können. Es sind Personen, die mit dem neuen PSG II jetzt Anspruch auf Leistungen haben. Auch dann, wenn sie zuvor bei der Einordnung in eine Pflegestufe knapp gescheitert sind.

Was ändert sich außerdem?

Lesen Sie hier, welche Veränderungen bereits ab Januar 2016 für rund 2,7 Millionen Pflegebedürftige zum Tragen kommen:

    • Bessere Beratung
      Die Beratung Pflegebedürftiger und ihrer Angehörigen soll verbessert werden. So benennen die Pflegekassen einen festen Ansprechpartner für die Pflegeberatung. Ebenso erhalten pflegende Angehörige einen eigenen Beratungsanspruch.

 

    • Gerechterer Zugang zu Reha-Maßnahmen
      Der Zugang von Pflegebedürftigen zu Maßnahmen der Rehabilitation wird gestärkt, indem die Pflegekassen und Medizinischen Dienste wirksame Verfahren zur Klärung des Rehabilitationsbedarfs anwenden müssen.

 

    • Anspruch auf Übergangspflege
      Patientinnen und Patienten, die nicht dauerhaft pflegebedürftig sind, erhalten nach einer Krankenhausbehandlung Anspruch auf Übergangspflege (häusliche Krankenpflege, Haushaltshilfe sowie Kurzzeit-Pflege) als Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung.

 

    • Anpassung der Rahmenverträge
      Die Rahmenverträge über die pflegerische Versorgung in den Ländern sind von den beteiligten Partnern der Selbstverwaltung an den neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff anzupassen. Dazu gehören auch die Vorgaben zur Personalausstattung.

 

    • Anwendung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs
      Die Qualitätsmessung und Qualitätssicherung in der Pflege wird weiterentwickelt. Dabei wird der so genannte Pflege-TÜV grundsätzlich überarbeitet und vor allem der Ergebnisqualität wird größere Bedeutung gegeben.

 

  • Anpassung des Personalschlüssels
    Vor Einführung der neuen Pflegegrade müssen Träger der Pflegeeinrichtungen, Sozialhilfeträger und Pflegekassen die Personalstruktur und die Personalschlüssel der Einrichtungen prüfen und bei Bedarf anpassen. Bis zum 30. September 2016 müssen sie neue Pflegesätze für die Pflegeheime vereinbaren. Bis Mitte 2020 soll ein wissenschaftlich gesichertes Verfahren zur Personalbedarfsbemessung entwickelt werden.

 

Das PSG II – ein starker Weg in die richtige Richtung.

Was seit Anbeginn des neuen Jahres 2017 gilt, ist ein großer Gewinn für unsere Gesellschaft allgemein und die einzelnen Pflegebedürftigen im Speziellen. Geistige und seelische Einschränkungen werden den körperlichen Handicaps gleichgesetzt, wodurch mehr Menschen profitieren. Pflegemaßnahmen werden individueller und besser auf den einzelnen Bedürftigen angepasst, genauso werden Bedingungen für Pflegekräfte und pflegende Angehörige verbessert. Es handelt sich damit nicht um einzelne, punktuelle Maßnahmen, sondern um ein umfassendes Gesamtwerk an Leistungen, das alle relevanten Gruppen und Aspekte berücksichtigt. Ein Gesetzespaket, das Anteilnahme, Nächstenliebe und Gemeinsinn zum Ausdruck bringt und eine Antwort auf die demografischen Herausforderungen unserer Zeit gibt. Weitere Informationen zum Pflegestärkungsgesetz 2 (PSG II)  finden Sie in unserem Lifta Ratgeber.

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