Daniel Müller

Können meine Eltern weiterhin zuhause leben?

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19.10.2015 0

Können Eltern zuhause wohnen bleiben (© www.ingo-bartussek.de – fotolia.com)

© www.ingo-bartussek.de – fotolia.com

Eines Tages ist es soweit. Die eigenen Eltern werden alt und brauchen Hilfe. Jetzt vollzieht sich in Familien ein Rollenwechsel. Denn erwachsene Kinder übernehmen Verantwortung für die Menschen, die sie einst beschützten. Ein Weg voller Fragen zu Emotionen, Pflege und professioneller Betreuung – für jeden von uns. Was tun, wenn Eltern alt werden? Ein Überblick.

  1. Wenn Eltern alt werden
  2. Anzeichen von Pflegebedürftigkeit
  3. Wer ist zur Pflege verpflichtet?
  4. Handlungsempfehlungen bei Pflegebedürftigkeit
  5. Ist das Zuhause altersgerecht eingerichtet?
  6. Checkliste: Anzeichen der Pflegebedürftigkeit

 

Wenn Eltern alt werden

Früher waren wir im besten Fall geborgen: Die eigenen Eltern gaben uns ein Zuhause, sie ernährten und prägten uns mit ihren Ansichten. Was wären wir ohne sie (gewesen). Dann nabelten wir uns von ihnen ab und stellten uns auf eigene Beine. Doch mit dem Älterwerden der Eltern rücken wir wieder mit ihnen zusammen – diesmal als erwachsene Kinder. Genau diese Zeit ist eine der größten Herausforderungen für eine Familie: Wenn die eigenen Eltern plötzlich schwer krank werden, wenn ein Schlaganfall sie beispielsweise aus ihrem bisherigen Leben wirft, von jetzt auf gleich. Oder wenn sie den Alltag nicht mehr alleine bewältigen, weil sie den Überblick verlieren im Haushalt oder Straßenverkehr.

Ob als einschneidende Veränderung oder als schleichender Prozess: Es beginnt ein Lebensabschnitt, der alle Familienmitglieder emotional belastet. Verkehrt ist in jedem Fall, wenn wir diese kennzeichnenden Situationen ignorieren. Wir sollten sie mit unseren Angehörigen offen ansprechen. Jetzt ist Geduld, Kraft und Hilfe von außen für Betroffene und Angehörige gefragt. Aber, ab wann sind die Eltern alt? Ab wann pflegebedürftig?

 

Anzeichen von Pflegebedürftigkeit

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© Robert Kneschke – fotolia.com

Das Altern ist ein vielgestaltiger Prozess. Obwohl Altern (unter anderem an der Universität Heidelberg) erforscht wird, gibt es keine einheitliche Theorie dazu. Forscher vermuten, dass Altern eine Mischung aus Verschleißerscheinungen des Körpers (Herz-Kreislauf-System, Sinnesorgane, Innere Organe, Haare) und einer genetischen Vorbestimmung ist. Es ist ein natürlicher Prozess und geht mit dem Verlust von körperlichen und geistigen Funktionen einher. Menschen können das Altern nicht rückgängig machen. Aus sozialpädagogischer Sicht fängt das Alter mit der Rente an. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) meint, alt ist derjenige, der das 65. Lebensjahr vollendet hat.

Wann aber sind unsere Eltern so alt, dass sie pflegebedürftig sind, dass sie ihre Leben zuhause nicht mehr alleine gestalten können? Darauf gibt es keine generelle Antwort, da Menschen unterschiedlich altern. Wichtige Anzeichen dafür sind indes Erlebnisse, die sich in ihrem Alltag ereignen. Wenn die eigenen Eltern zunehmend die Haushaltsführung vernachlässigen und vergesslich werden. Wenn sie bereits verschriebene Hilfsgeräte wie Hörgeräte oder Rollatoren ignorieren und dadurch häufiger stürzen. Wenn sie schließlich nicht mehr verkehrstüchtig sind und dadurch Autounfälle verursachen. Spätestens jetzt sollten sie in Ihrer Familie ein offenes Gespräch suchen und sich bei Spezialisten informieren. Denn so kompliziert und herausfordernd diese Aufgabe ist: es gibt viele wertvolle Hilfsangebote für diesen Lebensabschnitt. Dennoch haben viele davor Angst, dass ihre Eltern alt werden.

 

Wer ist zur Pflege verpflichtet?

Für Angehörige stellen sich nun verschiedenste, zentrale Fragen. Beispielweise: Soll, kann oder muss ich die Pflege meiner Eltern selbst übernehmen? Wer zahlt die Pflege? Und, kann ich mir eine Auszeit nehmen, um meine Eltern zu pflegen?

Sollen
Das kann jeder Angehörige nur für sich selbst entscheiden. Obwohl das Thema mit einer Historie belegt und vielen Emotionen besetzt ist, hilft eher eine sachliche Auseinandersetzung denn eine moralische Bewertung.

Eltern-selbst-pflegen

© highwaystarz – fotolia.com

Können
Sie können selbst pflegen! Die Vorbedingung ist, dass Sie es sich körperlich und seelisch zutrauen. Der Gesetzgeber hat sich im Arbeitsrecht auf diese Situation eingestellt. Wenn Sie als Angehörige die Pflege selbst übernehmen, erhalten Sie durch die Pflegeversicherung ein monatliches Pflegegeld. Die Vorbedingung ist, dass Ihre Eltern in eine Pflegestufe eingeordnet sind. Mit diesem Geld können Sie die erhöhten Aufwendungen bestreiten, die durch die Pflege entstehen oder auch sich selbst, als pflegender Person, eine finanzielle Anerkennung zukommen lassen. Für alle, die nach dem Pflegeversicherungsgesetz als pflegebedürftig anerkannt sind, gibt es einen Zuschuss zum Pflegeverbrauchsmaterial (wie Einmal-Unterlagen für das Bett, Einweg-Handschuhe, Schutzschürzen) von bis zu 31,- Euro monatlich.

Die Kranken- und Pflegekassen bieten Betroffenen und Angehörigen ebenfalls didaktische Unterstützung an. So können Sie kostenlose Kurse mit praktischen Übungen, Informationen und Tipps zur Auseinandersetzung mit Emotionen während der Pflege in Anspruch nehmen. Diese Kurse vermitteln grundlegende Kenntnisse, die zur Pflege eines Bedürftigen in der häuslichen Umgebung hilfreich sind. Mehr Informationen dazu erhalten Sie bei der Geschäftsstelle der zuständigen Krankenkasse. Selbst eine häusliche Pflegeschulung können Sie als Angehöriger beantragen.

Müssen
Es gibt keine gesetzliche Verpflichtung zur Pflege der eigenen Eltern. Allerdings haften Kinder bei Bedarf für die Pflege über den sogenannten Elternunterhalt. Das tun sie auch, wenn die Familie zerstritten ist. Der Hintergrund für den Elternunterhalt ist die Tatsache, dass sich zunehmend mehr Menschen im Alter die Pflegekosten trotz der eigenen Rente und Pflegeversicherung nicht mehr aus eigener finanzieller Kraft leisten können. An dieser Stelle springen Sozialämter mit einer bedarfsorientierten Sozialleistung ein (Stichwort „Hilfe zur Pflege“). Diese Leistungen dürfen sich die Behörden unter bestimmten Auflagen auch Jahre später noch zurückholen – von den Kindern. Diese können allerdings ebenso von der Unterhaltspflicht befreit werden. Jeder Fall wird einzeln nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) geprüft und bewertet. Ansprechpartner bei Fragen des Elternunterhalts sind Rechtsanwälte für Familienrecht.

Eltern-Pflegeheim

© Ingo Bartussek – Fotolia.com

Übrigens: Auch durch den demografischen Wandel (die alternde Gesellschaft) ist der Elternunterhalt immer häufiger ein Thema von Angehörigen und Anwälten. Daher können diese sachgemäß beraten.

Die Alternative zur Pflege durch die Angehörigen oder einen Pflegedienst ist ein Pflegeheim. Welche Pflegekosten müssen bei dieser Lösung bezahlt werden? Eltern und deren Kinder müssen mit Heimkosten von 2.500,– Euro bis 3.500,– Euro bei einer stationären Unterbringung rechnen. Heimentgelte können sich allerdings je nach Pflegestufe reduzieren, denn die Pflegekasse übernimmt einen Teil. Die restlichen Kosten müssen Sie als Bedürftiger oder Angehöriger zahlen. Die Kassen übernehmen seit dem 1. Januar 2015 folgende Beträge:

Pflegestufe I        1.064,– Euro
Pflegestufe II       1.330,– Euro
Pflegestufe III      1.612,– Euro
Härtefall              1.995,– Euro

Als direkter Verwandter in der Pflege sollten Sie die Bereiche Familie, Pflege und Beruf bestmöglich vereinen können. Pflegende Angehörige können daher beim Arbeitgeber Sonderurlaub beantragen. Rechtlich gesehen lassen Sie sich für eine begrenzte Dauer ohne Lohnfortzahlung von der Arbeit freistellen. Das Pflegezeit-Gesetz bietet dazu die gesetzlichen Bestimmungen. Bei der kurzzeitigen Freistellung von der Arbeit haben Sie das Recht, der Arbeit bis zu zehn Arbeitstage fernzubleiben. Wenn Sie die Pflege für einen längeren Zeitraum übernehmen wollen, können Sie sich für die Dauer von bis zu sechs Monaten von der Arbeit freistellen lassen. Dann muss der Betrieb jedoch mehr als 15 Beschäftigte haben. Bei diesen Vorgängen sind Sie nicht allein und können sich beraten lassen. Doch bei welchen Ansprechpartnern genau gibt es Hilfe bei der Pflege von Angehörigen?

 

Handlungsempfehlungen bei Pflegebedürftigkeit

Tipps für pflegende Angehörige – mit außergewöhnlicher Belastung durch die Pflegezeit – und für deren Eltern bekommen Sie bei Krankenkassen, Sozialverbänden und der Bundesregierung. Sie können sich direkt bei Ihrer Krankenkasse beraten lassen und dort Leistungen für die Pflegeversicherung beantragen. Der Antrag ist formlos möglich. Am besten Sie stellen ihn schriftlich. Die Leistungen gelten ab Antragstellung. Im nächsten Schritt bestellen Sie entweder einen ambulanten Pflegedienst (von privaten Anbietern oder Wohlfahrtsverbänden wie der Caritas) oder buchen einen Platz im Pflegeheim.

Im Folgenden finden Sie eine Übersicht mit wichtigen Telefonnummern für pflegende Angehörige:

  • Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege e. V.: 0221 – 941 00 30
  • AWO Arbeiterwohlfahrt: 0228 – 66 85-0
  • Deutscher Caritasverband: 0761 – 2 00-0
  • Deutsches Rotes Kreuz: 030 – 8 54 04-0
  • Der Paritätische Wohlfahrtsverband: 030 – 2 46 36-0
  • Diakonisches Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland: 0711 – 21 59-0
  • Kuratorium Deutsche Altershilfe: 0221 – 93 18 47-0
  • Alzheimer Angehörigen-Initiative: 030 – 47 37 89 95

 

Ist das Zuhause altersgerecht eingerichtet?

barrierefreies-zuhause

© Jrg Lantelme – Fotolia.com

Schließlich geht es beim Thema Pflege ebenso um Mobilität und um Selbstständigkeit der Eltern. Denn obwohl das Altern viele körperliche Einschränkungen mit sich bringt, wollen die Menschen so lange wie möglich beweglich bleiben. Dieser Wunsch hat ursächlich mit dem richtigen, barrierefreien Wohnumfeld zu tun. Sie können das Haus oder die Wohnung Ihrer Eltern mit wenigen Schritten so gestalten, dass diese in vielen Lebenssituationen sehr gut ohne Hilfe zurechtkommen. Hier finden Sie spannende Informationen zum Thema barrierefreies Wohnen in den eigenen vier Wänden.

Mit dem natürlichen Alterungsprozess kann die Gefahr von Sturzunfällen im eigenen Haushalt zunehmen. Unterschätzen Sie diese Gefahr als Betroffene und Angehörige nicht. Viele Stürze hinterlassen für ältere Menschen bleibende Folgen – von leichten bis schweren körperlichen Verletzungen und später Sturzangst. Die angestrebte Selbstständigkeit der Eltern kann dadurch verloren gehen. Lesen Sie hier interessante Tipps zum Thema Sturzprophylaxe.

Alternativ können Sie einen Zuschuss für eine Wohnumfeld-Verbesserung bei der Landesarbeitsgemeinschaft Wohnberatung NRW unter 02 31 – 12 46 76 stellen.

 

Checkliste: Anzeichen der Pflegebedürftigkeit

Wir haben Ihnen hier noch einmal alle Tipps und Hinweise im Überblick aufbereitet. Laden Sie sich einfach die Lifta Checkliste für pflegende Angehörige als PDF herunter.

 

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