RolfKirsch

Mein schönstes Erlebnis beim Lifta Kunden

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31.10.2012 0

Ich kann mich noch gut erinnern: Es war in den 90er Jahren, ich hatte einen Termin in einem Einfamilienhaus, den Ort weiß ich nicht mehr.

Es öffnete mir ein großgewachsener, graumelierter Endsiebziger, Typ Curd Jürgens. Sein gepflegtes Erscheinungsbild war durch entsprechende Kleidung unterstrichen. Diese bestand aus Anzug mit Anzugweste, Hemd und Krawatte, fein aufeinander abgestimmt.

Er führte mich durch das Wohnzimmer direkt zum „Tatort“, d.h. zur Treppe. Im Wohnzimmer saß auf der Couch in Sofakissen versunken eine Mittsiebzigerin, die er mir im Vorbeigehen kurz als seine Frau vorstellte, mit dem Hinweis, das ich diese gleich näher kennen lernen würde, denn sie sei der Anlass meines Besuches. Im Gegensatz zu ihm war sie von zierlicher, nahezu graziler Gestalt und wirkte sehr zerbrechlich. Ihr Outfit entsprach dem ihres Mannes. Nach Besichtigung der Treppe und entsprechender Beratung am Objekt stand fest, dass der Einbau eines Treppenlifts möglich war. Nun bat er mich zurück ins Wohnzimmer, bot mir Tisch und Stuhl an, begab sich zur Couch, fasste mit beiden Händen den rechten Unterarm seiner Frau, half ihr auf und geleitete sie immer an ihrem Arm führend zum Tisch. Sie setzten sich mir gegenüber, die Oberkörper leicht zueinander gewandt. Sie hatte ihre Hände auf ihren Knieen ruhend ineinandergelegt.

Er umschloss ihre Hände, veränderte aber nicht ihre Position. So saßen nun beide mir gegenüber voller Erwartung und Spannung, was der Treppenlift denn nun kosten würde. Es waren 25.000 DM. Nach der Nennung des Preises zuckte sie leicht zusammen und schaute ihn mit großen Augen erwartungsvoll an und sagte: „Mein Schatz, können wir uns das denn überhaupt leisten?“ Darauf er: „Mein Liebling, Du weißt doch, für Dich ist mir nichts zu teuer.“ Und zu mir gewandt:  „Wann können sie anfangen? Der Auftrag ist hiermit erteilt.“

Ich begab mich nun zur Vermessung an die Treppe. Durch die halb geöffnete Wohnzimmertür hörte ich Gesprächsfetzen wie „Wir haben uns doch damals…“ „ … ewige Liebe…“ „… und Treue…“ etc. Als ich nach ca. einer Stunde mit der Vermessung fertig war, betrat ich das Wohnzimmer. Beide saßen, wieder die Hände ineinander gelegt, seitlich auf der Couch, schauten sich tief in die Augen, im Hintergrund spielte  Musik von „Richard Clydermann“ und nahmen mich im ersten Augenblick gar nicht wahr. Und ich dachte nur „Das muss sie sein, die einzige, die wahre Liebe…“ Oder?

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