Daniel Müller

Studieren im Alter – Zum Lernen ist es nie zu spät

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09.06.2016 1

Studenten bei einer Vorlesung (© Matej Kastelic – www.fotolia.com)

© Matej Kastelic – www.fotolia.com

Die Studienzeit – eine kostbare Zeit des Lernens, des Aufbruchs und der gestalterischen Freiheiten vor dem eigentlichen Berufsleben. Warum sollen nicht auch ältere Semester ab 50 diese Vorzüge genießen? Viele Gründe bewegen Senioren dazu, sich nochmals in den Hörsaal zu setzen: Das eigene Wissen aufzufrischen, dem Lebensentwurf eine neue Richtung zu geben oder ganz einfach einen alten Traum zu verwirklichen. Deutsche Hochschulen wissen um diesen Bedarf bei älteren Menschen und sind darauf vorbereitet. Mittlerweile gibt es viele attraktive Studienangebote für Senioren.

Inhalt:

 

Seniorenstudium – Was ist das?

Senioren beim Studium am PC

© Tylor Olsen – www.fotolia.com

In den Bildungsdebatten der Politik taucht der Begriff „Lebenslanges Lernen“ seit den 1960er Jahren auf. Der Ausdruck ist zunächst schwammig. Was sollen wir lebenslang lernen und wo und vor allem mit wem? Beziehen wir den Begriff aber auf die Hochschulbildung, dann ist dieses lebenslange Lernen bereits konkret erfahrbar. Auf dem deutschen Bildungsmarkt gibt es heute ein breites Angebot für ältere Menschen, die noch einmal studieren wollen – ob in ihrem angestammten Wissensbereich oder einer ganz neuen Studienrichtung. Die Programme nennen sich Seniorenstudium, Seniorenuniversität, Universität des dritten Lebensalters, Studium im Alter oder Studium für Senioren. Im Rahmen dieser Studienprogramme sind Senioren-Studenten meistens in den normalen Ablauf der Universitäten integriert. Die Universitäten trennen nicht zwischen jungen und alten Studenten. Ältere Semester lernen einfach mit den jüngeren zusammen. Diese Lernsituation kann für beiden Parteien eine sehr bereichernde Erfahrung sein. Außerdem ist sie politisch gewollt und gefördert. Schauen wir uns also das Studium im Alter genauer an. Wer kann eigentlich ein solches Studium aufnehmen?

 

Für wen ist ein Seniorenstudium geeignet?

Die Weiterbildungsprogramme der Universitäten sind interessant für alle Senioren, die sich noch einmal wissenschaftlichen Fragestellungen und Themen widmen möchten. Solche Angebote heißen in den Unis beispielsweise Studieren ab 50 und richten sich an Erwachsene, die im mittleren und höheren Lebensalter ihre Bildungsinteressen umsetzen wollen. In ganz verschiedenen Lebenszusammenhängen können Interessenten ein Studium für Ältere beginnen. Zwingende Voraussetzungen gibt es zunächst einmal keine. In den überwiegenden Fällen können Senioren universitäre Angebote ohne Hochschulzugangsberechtigung besuchen und abschließen. Die Teilnahme ist in der Regel an keine konkrete Altersgrenze gebunden.

 

Wie kann ein Studium für Senioren aussehen?

Generationenaustausch

© contrastwerkstatt – www.fotolia.com

Ein Studium im Alter trainiert die geistigen Fähigkeiten, erweitert das Allgemeinwissen und ist eine persönliche Herausforderung. Es stellt ebenso eine Pflege der individuellen Interessen und des sozialen Miteinanders dar. Nach der Berufsarbeit und der Familienphase kommen die „neuen Studenten“ in Kontakt mit jüngeren oder gleichaltrigen Studierenden. In diesem Kreis können sie die Neugier an historischen, sozialwissenschaftlichen, philosophischen, literarischen und naturwissenschaftlichen Themen stillen. Bis ins hohe Alter können Studentinnen und Studenten ihr Wissen erweitern.

Studiengänge für Senioren sind ganz normal in den Hochschulalltag und das Lehrprogramm integriert. Die Senioren müssen daher nicht abgesondert in speziellen Veranstaltungen lernen. Sie nehmen an den Angeboten und Vorlesungen teil, die auch die jüngeren Studenten besuchen. Den Status der Seniorenstudenten kann man mit dem von Gasthörern vergleichen. Leistungstests sind daher nicht verpflichtend. Es gibt allerdings Studiengänge, in welchen die älteren Studierenden diese Nachweise erbringen sollen. Bei Seniorenstudenten gilt generell dieselbe Regel wie bei jüngeren: Die Motivation beim Lernen steigt, wenn sie Prüfungen ablegen und Rückmeldung in Form einer guten Benotung erhalten.

 

Der Weg zum Studium

Im Grunde besteht Ihr Weg zur Aufnahme eines Studiums aus drei wesentlichen Schritten:

  1. Studiengang: Befassen Sie sich als erstes damit, welchen Studiengang Sie auswählen möchten. Dann melden Sie sich bei Ihrer Universität und erfragen Informationsmaterial zu diesem Studiengang. Alternativ können Sie auf der Webseite des betreffenden Instituts recherchieren. Der Akademische Verein der Senioren in Deutschland (AVDS) hat interessante Informationen für bundesweite Angebote erstellt.
  2. Immatrikulation: Der nächste Schritt ist die Immatrikulation. Nehmen Sie also am besten Kontakt zum Sekretariat des jeweiligen Bildungsinstituts auf und erfragen den genauen Ablauf, wie Sie sich für ein Seniorenstudium einschreiben können.
  3. Status: Klären Sie für sich, welchen Status Sie haben möchten: Wollen Sie Gasthörer sein, ordentlicher Student oder Seniorenstudent? Erfragen Sie, ob das Bildungsinstitut Gebühren für diese Studienangebote erhebt. Bei manchen Unis müssen Sie ungefähr 100 € entrichten.

 

Tipps für die richtige Studienwahl

Senioren haben demnach diese drei Wahlmöglichkeiten:

  • ein ordentliches Studium
  • ein Gasthörerstudium
  • ein Seniorenstudium

Ordentliche Studenten haben als Zielsetzung in der Regel einen Abschluss in ihrem Fachbereich. Für diesen Studientyp müssen Sie allerdings eine Hochschulzugangsberechtigung wie das Abitur vorweisen. Sie nehmen an sämtlichen Prüfungen teil und müssen relativ viel Zeit investieren.

Als Gasthörer nutzen Sie das Studium als reine Fortbildung. Sie haben keine Prüfungen, werden aber auch keinen Abschluss erhalten. Sie können an ausgewählten Veranstaltungen teilnehmen. Zulassungsbeschränkte Studiengänge (wie beispielsweise Medizin) sind häufig von einem Gasthörerstudium ausgenommen. Sie können allerdings am Semesterende eine Auflistung der besuchten Veranstaltungen als Teilnahmebescheinigung erhalten.

Das Seniorenstudium schließlich ist dem Gasthörer-Studium ähnlich. Im Gegensatz dazu bietet es spezielle Beratungs- und Betreuungsangebote für ältere Menschen. Informieren Sie sich einfach über alle drei Varianten und entscheiden dann in aller Ruhe, was Sie genau machen wollen.

 

Fazit

Ein Seniorenstudium ist nach allen bisherigen Erkenntnissen und Erfahrungsberichten absolut lohnenswert für die Studierenden. Es bietet Bildung, Orientierung und bringt Sie in Kommunikation mit anderen Menschen. Im Vergleich zu jüngeren Studenten haben Sie übrigens einen entscheidenden Vorteil: Im Seniorenstudium haben Sie das Arbeitsleben bereits hinter sich. Sie können ohne Druck und mit reiner Lust lernen, ohne Ihre Berufsaussichten im Blick zu haben.

Daher sollten Sie im Seniorenstudium aber auch auf diese zukunftsentscheidende Situation Ihrer jungen Kommilitonen Rücksicht nehmen: Lassen Sie beispielsweise den Jüngeren die besten Plätze in den Vorlesungen. Gegenseitige Rücksichtnahme untereinander ist hier gefragt. Dann ist das Studieren im Alter auch eine Bereicherung für die Jüngeren, denn so können sie ganz nebenbei vom Wissen und von der Lebenserfahrung der älteren Kommilitonen profitieren.

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Kommentare

von ElfriedeR am 18.07.2016

Sehr spannender Artikel, ich wusste gar nicht, dass es sowas wie ein Seniorenstudium bzw. Seniorenuniversität gibt. Das werde ich gleich mal meiner Nachbarin vorschlagen, die ist für so etwas zu haben!