Andrea Schuster

Rentner Jobs: Auch im Alter aktiv und gefragt

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18.03.2016 1

Lifta-Seniorenjobs (© Monkey Business – Fotolia.com
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© Monkey Business – Fotolia.com

Die erste Zeit im Ruhestand genießen viele Rentner in vollen Zügen. Sie schätzen es, ihren Tagesablauf selbst bestimmen zu können, unternehmen lange geplante Reisen oder kümmern sich intensiv um vernachlässigte Hobbys. Doch nicht wenige Senioren stellen nach einigen Monaten fest, dass die neugewonnene Freiheit sie nicht ausfüllt. Sie wollen zurück auf den Arbeitsmarkt. Denn ein Rentnerjob verschafft nicht nur finanzielle Spielräume.

Überblick:

  1. Gründe für Erwerbstätigkeiten im Ruhestand
  2. Welche Jobs können Rentner im Alter ausüben?
  3. Welche Möglichkeiten gibt es, um im Alter einen Job zu finden?
  4. Wieviel Geld darf ein Rentner im Alter dazuverdienen?
  5. Arbeiten im Alter: Ein Gewinn für die Gesellschaft
  6. Fazit

 

Gründe für die Erwerbstätigkeit im Ruhestand

Immer mehr Menschen in Deutschland arbeiten im Alter. Knapp eine Million Senioren haben einen Minijob, beinahe jeder Zehnte in der Altersgruppe der 65- bis 74-Jährigen geht einer Beschäftigung nach.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Wenn Rentner Jobs ausüben, bessern sie damit ihre Urlaubskasse auf, sparen für größere Anschaffungen oder legen Geld für die Enkel zur Seite. Doch es sind nicht nur finanzielle Anreize, die Senioren dazu motivieren, auch im Rentenalter noch arbeiten zu gehen. Sie wollen geistig und körperlich fit bleiben und vermissen einen geregelten Tagesablauf. Außerdem fehlt vielen Rentnern das Gefühl, gebraucht zu werden und der Austausch mit den jüngeren Kollegen. Das gilt besonders dann, wenn der Partner noch arbeiten geht.

Dass immer mehr Senioren Jobs haben, liegt auch daran, dass sie gesünder sind und sich fitter fühlen als in früheren Generationen. Männer, die heute 65 sind, werden im Durchschnitt 82 Jahre alt, Frauen sogar 86. Doch nicht nur auf Seiten der Senioren steigt der Wunsch, berufstätig zu bleiben. Auch viele Arbeitgeber haben das Potenzial erfahrener Arbeitskräfte erkannt und wollen ihre Angestellten aufgrund ihres Know-hows im Rentenalter weiter beschäftigen.

 

Welche Jobs können Rentner im Alter ausüben?

Der Arbeitsmarkt bietet vielfältige Jobs für Senioren – von der selbstständigen Tätigkeit über eine Weiterbeschäftigung beim bisherigen Arbeitgeber bis zum Aufbruch in gänzlich neue Betätigungsfelder.

Selbstständigkeit

Unter Selbstständigen ist es besonders verbreitet, nach dem Erreichen des Rentenalters im angestammten Beruf weiterzuarbeiten. Ärzte oder Anwälte etwa arbeiten häufig länger, um ihre Praxis geordnet zu übergeben und einen Nachfolger einzuarbeiten. Auch Texter, Übersetzer und andere freiberufliche Kopfarbeiter gehen ihrem Beruf oft im Alter weiter nach und nutzen den Vorteil der Selbstständigkeit, ihr Arbeitsvolumen an die eigenen Bedürfnisse anpassen zu können.

Senior-arbeitet

© ArtFamily – Fotolia.com

Berater

Eine freiberufliche Tätigkeit eröffnet auch ehemaligen angestellten Fachkräften eine interessante Perspektive. Denn in vielen Branchen wollen die Unternehmen nicht auf das Wissen ihrer scheidenden Mitarbeiter verzichten und bieten daher Berater-Jobs für Senioren an. Diese leisten zum Beispiel Unterstützung bei besonderen Projekten oder geben ihr Wissen an Nachwuchskräfte weiter und helfen bei der Ausbildung junger Fachkräfte.

Minijobs

Minijobs sind bei Senioren besonders beliebt. Das liegt zum einen an den Hinzuverdienstgrenzen der gesetzlichen Rentenversicherung, zum anderen ist die Arbeitsbelastung bei geringfügigen Beschäftigungen meist überschaubar.

So suchen beispielsweise Kindertageseinrichtungen aufgrund des Fachkräftemangels und des wachsenden Betreuungsbedarfs Erzieher, Sozialpädagogen und Kinderpfleger im Ruhestand, die stundenweise in den Kitas aushelfen. Kinderliebe Senioren können zudem ihre Dienste als Leihoma oder Leihopa anbieten. Auch im sozialen Bereich gibt es Minijobs für Rentner, etwa bei der Essensausgabe in Altenheimen oder im mobilen Menüservice.

Wer gerne an der frischen Luft ist, kann sich als Hausmeister, Gartenhelfer, Zeitungszusteller oder Stadtführer etwas dazuverdienen. Auch als Portier, Aufsichtskraft im Museum, im Sicherheitsdienst oder als Helfer bei Büroarbeiten werden Rentner gerne beschäftigt.

Ehrenamtliche Tätigkeiten

Rentner, die nicht in erster Linie aus finanziellen Gründen eine Beschäftigung suchen, können sich auch in Ehrenämtern engagieren – etwa in Vereinen oder Kirchen, bei Hilfsorganisationen oder in Tierheimen. Auch die Wirtschaft bietet Möglichkeiten zum ehrenamtlichen Engagement, indem zum Beispiel ehemalige Führungskräfte Unternehmensgründer beim Start begleiten.

 

Welche Möglichkeiten gibt es, um im Alter einen Job zu finden?

Generell läuft die Jobsuche heutzutage hauptsächlich über das Internet.

Vermittlung von geringfügigen Beschäftigungen

Es gibt zahlreiche Jobbörsen, die sich auf die Vermittlung von geringfügigen Beschäftigungen spezialisiert haben. Dort findet sich auch ein großes Angebot an Minijobs für Rentner. Die Suche kann in diesen Jobportalen in der Regel auf das gewünschte Betätigungsfeld und regional auf den Wohnort eingegrenzt werden.

Tipp: Wer Jobangebote sucht, die speziell auf Rentner zugeschnitten sind, gibt am besten im Suchfeld der Jobbörse das Stichwort „Rentner“ ein. Dann werden nur diejenigen Angebote angezeigt, die sich speziell an Rentner richten.

Spezielle Angebote für Senioren

Außerdem gibt es im Internet speziell für Rentner Jobbörsen. Diese bieten den Vorteil, dass sich die Angebote dort ausschließlich an arbeitswillige Senioren richten. Allerdings befinden sich viele dieser Portale noch im Aufbau und die Zahl der Jobangebote dort ist vergleichsweise gering. Es gibt keine Rentner-Jobbörse, deren Angebot zahlenmäßig auch nur annähernd an die großen Minijobbörsen heranreicht.

Anders sieht es bei Internetseiten aus, die sich speziell auf Angebote im Bereich der Kinderbetreuung spezialisiert haben. In den meisten großen Städten gibt es Anbieter, die über das Internet Leihomas und Leihopas vermitteln. Senioren können dort sowohl nach Angeboten suchen als auch kostenlos ein Profil anlegen und ihre Dienste anbieten.

Tipp: Neben dem Internet lohnt sich immer auch ein Blick in die Lokalzeitung und regionale Anzeigenblätter. Gerade kleine Unternehmen, Handwerksbetriebe und private Anbieter inserieren häufig nicht im Internet, sondern suchen auf diesem Weg Minijobber.

Seniorenjob-als-Kinderbetreuer

© www.shock.co.ba – Fotolia.com

 

Arbeitsagenturen und soziale Organisationen

Auch die örtlichen Arbeitsagenturen helfen bei der Vermittlung von Jobs für Senioren. Sie sind nicht nur für die Zahlung von Arbeitslosengeld zuständig, sondern kümmern sich auch um Arbeitssuchende, die keine finanzielle Unterstützung durch den Staat erhalten. Wer sich bei der Arbeitsagentur arbeitssuchend meldet, erhält Zugang zu den dort hinterlegten Jobangeboten. Gleichzeitig verpflichtet er sich aber auch, sich selbst aktiv um einen Job zu bemühen und Beratungstermine wahrzunehmen.

Wer eine Beschäftigung im sozialen Bereich sucht, erkundigt sich am besten auch direkt bei Wohlfahrtsorganisationen, kirchlichen Trägern, Nachbarschaftshilfen und ähnlichen Einrichtungen. Dieser Weg ist manchmal erfolgversprechender als die Suche nach ausgeschriebenen Stellen.

Und nicht zuletzt sind Freunde und Bekannte ein wichtiger Faktor bei der Jobsuche. Jeder dritte Job in Deutschland wird über Beziehungen vermittelt. Wer einen Job sucht, sollte das also unbedingt in seinem persönlichen Umfeld kommunizieren und zum Beispiel auch die ehemaligen Kollegen über seine Pläne informieren.

 

Wie viel Geld darf ein Rentner im Alter dazuverdienen?

Bevor Rentner Jobs annehmen, sollten sie sich genau mit den Bestimmungen der gesetzlichen Rentenversicherung auseinandersetzen. Ob sich ein Arbeitseinkommen nachteilig auf die Rente auswirkt, hängt davon ab, ob Rentner bereits die sogenannte Regelaltersgrenze erreicht haben. Diese bestimmt den Zeitpunkt, ab dem Arbeitnehmer ohne finanzielle Abstriche in den Ruhestand gehen können. Die Regelaltersgrenze wird seit 2012 schrittweise von 65 auf 67 Jahre angehoben, zurzeit liegt sie bei 65 Jahren und 5 Monaten.

Ruheständler, die die Regelaltersgrenze erreicht haben, dürfen uneingeschränkt zusätzliches Einkommen erwirtschaften. Wenn diese Senioren Jobs annehmen, wird ihre Rente dadurch nicht beeinträchtigt.

Anders sind die Bestimmungen bei Rentnern, die die Regelaltersgrenze noch nicht erreicht haben oder eine volle Erwerbsminderungsrente erhalten. Sie dürfen monatlich 450 Euro dazuverdienen, ohne dass sich dies schädlich auf die Rente auswirkt. In zwei Monaten pro Jahr können es sogar bis zu 900 Euro sein. Die 450-Euro-Grenze bezieht sich nicht nur auf Minijobs, sie gilt genauso für Einkommen aus selbstständiger Tätigkeit.

Sobald der Verdienst die 450-Euro-Grenze überschreitet, wird die Rente um mindestens ein Drittel gemindert. Bei einem höheren Zuverdienst wird die Rente stufenweise bis auf Null gekürzt. Die maßgeblichen Zuverdienstgrenzen hängen auch vom individuellen Einkommen vor der Rente ab. Im ungünstigsten Fall können sich Konstellationen ergeben, in denen ein höherer Zuverdienst sogar zu insgesamt niedrigeren Einkünften (Erwerbseinkommen + Rente) führt.

Tipp: Wer mehr als 450 Euro dazuverdienen möchte, sollte sich unbedingt vorher bei seinem Rentenversicherungsträger beraten lassen.

 

Arbeiten im Alter: Ein Gewinn für die Gesellschaft

Die Zeiten, in denen ältere Arbeitnehmer vor allem als Kostenfaktor gesehen wurden, sind in vielen Unternehmen vorbei. Ein Grund für das Umdenken ist der Mangel an Nachwuchskräften in vielen Branchen und Regionen. Daneben haben Arbeitgeber aber auch erkannt, dass das Know-how und die Erfahrungen älterer Arbeitnehmer einen großen Schatz darstellt, den es zu hüten und zu pflegen gilt. Auch auf das Arbeitsklima wirkt sich das generationsübergreifende Miteinander von Nachwuchskräften und erfahrenen Kollegen häufig positiv aus.

Die Aussichten für Rentner werden sich in den kommenden Jahren weiter verbessern. Die demografische Entwicklung sorgt dafür, dass zusätzliche Arbeitskräfte gebraucht werden und es mehr Jobs für Senioren geben wird. In den nächsten Jahrzehnten werden viel mehr Arbeitnehmer in den Ruhestand gehen als junge Arbeitnehmer nachkommen. Schätzungen gehen davon aus, dass der Arbeitsmarkt in Deutschland zukünftig jedes Jahr um 500.000 Menschen schrumpfen wird. Um diese Lücke schließen zu können, wird die Gesellschaft auch darauf angewiesen sein, dass die Menschen im Alter länger arbeiten.

Seniorenjob-als-Berater

© yurolaitsalbert – Fotolia.com

 

Fazit

Immer mehr Menschen in Deutschland gehen auch im Rentenalter noch arbeiten. Und das nicht nur aus finanziellen Gründen, sondern weil sie noch nicht bereit für den Ruhestand sind. Durch den zunehmenden Fachkräftemangel in vielen Bereichen steigen die Beschäftigungsmöglichkeiten und Minijobs für Rentner. Für die Jobsuche empfehlen sich neben dem Internet auch die Tageszeitung und persönliche Kontakte. Bevor Senioren Jobs annehmen, sollten sie sich jedoch genau mit den gesetzlichen Bestimmungen auseinandersetzen, damit durch die Beschäftigung keine finanziellen Nachteile entstehen.

 

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Kommentare

von ElfriedeR am 15.07.2016

Dieser Artikel ist toll! Ich selbst bin Rentnerin und und lebe in einer schönen Seniorenresidenz in Mölln. Doch das alleine reicht mir nicht, da wird es mir schnell langweilig, deswegen arbeite ich geringfügig in einer Anwaltkanzlei und kümmere mich um administratorische Tätigkeiten.