Dr. Marion Steinbach

Auf Wiedersehen Deutschland? Wo wollen wir im Alter leben?

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25.02.2013 0

Flugzeuglandung (© aleciccotelli - Fotolia.com)

© aleciccotelli - Fotolia.com

Die britische Komödie „Best Exotic Marigold Hotel“ hat ein Thema aufgegriffen, für das es sogar schon einen Fachbegriff gibt: Altersmigration. Weniger neutral und gar nicht schmeichelhaft sind die Umschreibungen „Greisen-Export“  oder „Gerontologischer Kolonialismus“. Doch was ist dran am Trend zum Auswandern im Alter?

In „Best Exotic Marigold Hotel“ verschlägt es sieben Rentner aus Großbritannien nach Indien. Der Grund: Sie wollen dort ihre Träume verwirklichen oder müssen auswandern, weil sie sich das Leben in ihrer Heimat nicht mehr leisten können, wie Evelyn, der ihr Ehemann nur einen Berg Schulden hinterlassen hat, oder sie möchten sich eine neue Hüfte machen lassen, auf die sie in Großbritannien Monate hätten warten müssen, wie Muriel. Wenn man die Debatte um Altersarmut und Pflegenotstand hierzulande  verfolgt, klingt das ziemlich vertraut. Immer öfter liest man von Älteren, die in polnische Pflegeheime gehen oder sich in Thailand in eine Seniorenresidenz einmieten, weil die Pflege in Deutschland unbezahlbar wird oder die Rente nicht reicht, um hier seinen Lebensstandard z halten.

Hälfte der Deutschen möchte im Ausland alt werden

Trotzdem: Sieht man sich die  Zahlen an, kann von einer Flucht der Rentner aus Deutschland nicht die Rede sein. Und das, obwohl in Umfragen nur knapp die Hälfte der Deutschen im eigenen Land alt werden will (Aon Consulting, 2010).  Und auch die oft genannten Gründe für das Leben im Ausland  (niedrigere Lebenshaltungskosten, das sonnige, warme Wetter, der unbeschwerte Lebensstil und das günstigere Pflegepersonal) scheinen letztlich nicht entscheidend zu sein, denn: Denn: Der Großteil der Deutschen, die im Ausland Rente beziehen, lebt in den USA und der Schweiz. Danach folgen Österreich, Spanien, Frankreich und Kanada. Dass die Zahlen der im Ausland lebenden Rentner kontinuierlich steigen hat natürlich auch mit dem demographischen Wandel zu tun.

Nur in bekannte Länder auswandern

Gerade für die vielgereisten „jungen Alten“ wird es sicher zunehmend attraktiv, die Rente im Ausland zu verbringen. Sie haben mehr von der Welt gesehen und wissen, wo sie sich wohlfühlen. Das ist auch eine Empfehlung, die all Informationsstellen an Auswanderungswillige geben: Wandern Sie nur in ein Land aus, das Sie kennen. Das schützt vor unliebsamen Überraschungen. Und: Brechen Sie nicht gleich alle Zelte ab, sondern halten Sie sich erst einmal die Möglichkeit zur Rückkehr offen.

In der Komödie „Best Exotic Marigold Hotel“ war es überaus komisch, beim Aufeinandertreffen der Kulturen zuzuschauen. Im wirklichen Leben kann ein Kulturschock sehr ernüchternd sein: Die fremde Sprache, das Klima, die Kultur, die andere Mentalität, die fremde Küche – all das kann das Leben sehr anstrengend machen. Auch das Problem, einen deutschsprachigen Arzt zu finden, sollte man nicht unterschätzen. Keineswegs selbstverständlich ist es außerdem, dass die Wohnungen altersgerecht, d.h. barrierefrei sind.

Rentenversicherung überweist problemlos ins Ausland

Ansonsten ist es innerhalb Europas kein Problem, seine Rente zu erhalten – vorausgesetzt, man bleibt deutscher Staatsbürger. Auch die Kranken- und Pflegeversicherung bezahlt im Ausland. Aber nur, was in den jeweiligen Ländern von der Krankenversicherung bezahlt wird. Zusätzliche Kosten kann dann die Auslandskrankenversicherung abdecken. Und: Im Pflegefall gibt es nur Pflegegeld, keine teilweise Übernahme der Pflegekosten wie in Deutschland. Dafür jedoch muss in manchen Ländern, wie den USA, die Rente nicht versteuert werden.

All diese Vor- und Nachteile machen deutlich, dass es sicherlich weiterhin für einige Deutsche attraktiv sein wird, das Alter im Ausland zu verbringen. Ob es in Zukunft einen Ansturm auf exotische oder besonders günstige Länder geben wird, bleibt fraglich. Auch jetzt leben in Thailand mit rund 3.150 deutschen Rentnern in etwa so viele wie in Ungarn (knapp 3.100). Und Polen liegt mit etwas über 4.730 deutschen Rentner in etwa gleich auf mit Belgien (mehr als 4.960). Verglichen mit fast 25.550 deutschen Rentnern in den USA, fast 24.500 in der Schweiz und fast 21.000 in Österreich wirklich eine (noch?) überschaubare Zahl.

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