Dr. Marion Steinbach

Auswandern 60+ – wenn Träume wahr werden …

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27.05.2013 0

Sonnenuntergang Meer (© Yahya Idiz - Fotolia.com)

© Yahya Idiz - Fotolia.com

Das Alter – 72 Jahre – nimmt man Gerti nicht ab, so strahlend und jugendlich, wie sie vor einem sitzt. Noch weniger, wenn sie von ihren vielen Reisen ins Ausland erzählt. Gerade kommt sie aus Südafrika zurück. Zwei Monate hat sie dort verbracht. Nah dran an den Menschen. Genossen hat sie dort neben der Natur vor allem die Lebensfreude der Menschen. „Obwohl viele Flüchtlinge waren, Schlimmes erlebt hatten und nichts besaßen, waren sie so fröhlich.“ In Deutschland dagegen seien die Menschen oft so unzufrieden, obwohl es den meisten doch richtig gut gehe.

Noch mehr jedoch ist es die Enge in Deutschland, die sie immer wieder in die Ferne treibt. Das war eigentlich schon immer so. Deshalb ist sie auch ausgewandert. Zwei Mal sogar. Das erste Mal nach Australien. Schon immer hat der Kontinent sie fasziniert. Als ihr Mann ihr dann die lang ersehnte Reise zum Geburtstag schenkt, fliegt sie mit einer Freundin dorthin. Sie ist so begeistert, dass sie noch im gleichen Jahr erneut nach Down Under reist. Diesmal mit ihrem Mann. Auch er ist sofort Feuer und Flamme für den Kontinent, so dass sie beschließen, sich dort ein neues Leben aufzubauen. Die beiden erwachsenen Kinder sollen in Deutschland bleiben, die Jüngste, damals 15 Jahre, kommt mit.

Einmal Down Under … und zurück

Erste Station ist Sydney. Sie kommen bei einem französischen Ehepaar unter, das in einem Haus im viktorianischen Stil mitten im Künstlerviertel der Stadt lebt. „Die Menschen dort waren so offen und freundlich“, berichtet Gerti voller Begeisterung. Dennoch verschlägt es sie und ihren Mann wenig später an die Küste, 1.000 Kilometer nördlich von Sydney. Sie finden beide schnell Arbeit, kaufen ein Grundstück, bauen ein Haus. Gerti paukt Englisch, kann bald in der Verwaltung eines Krankenhauses arbeiten, weil sie die Landessprache mittlerweile beherrscht. Die Tochter macht Abi, alle genießen eine herrliche Zeit. „In Australien war alles so weit und frei, auch das Denken der Menschen. Dort arbeitet man, um zu leben. Das ist ganz anders als in Deutschland.“ Der einzige Wermutstropfen: Die beiden Ältesten, die in Deutschland zurückgeblieben sind. „Die Vorstellung, dass wir im Notfall fast eine Woche bräuchten, bis wir bei den Kindern sein könnten, war sehr belastend“, erzählt Gerti im Rückblick. Das war dann schließlich auch der Grund, warum sie nach Deutschland zurückgekehrt sind.

Neue Perspektiven in Europa

In den folgenden Jahre reiste Gerti in alle Teile der Welt und stillte damit ihre Abenteuerlust und ihre Sehnsucht nach Weite und Offenheit. Mit 66 Jahren war es dann aber wieder so weit: Der Entschluss Auszuwandern sollte in die Tat umgesetzt werden. Das Ziel diesmal nicht ganz so weit weg: Gran Canaria. Gerti verkaufte ihr ganzes Hab und Gut, um auf der spanischen Insel von vorne anzufangen. Übers Internet hatte sie eine Wohnung gemietet, die ein Deutscher besaß. Doch die erste Enttäuschung kam direkt bei der Ankunft: Die Wohnung war keineswegs möbliert, wie der Besitzer versprochen hatte. Außerdem lag sie weit abseits von der Schule und dem Zentrum, wo Gerti Spanisch lernen und wo sie arbeiten wollte. Und auch die vom Wohnungsbesitzer versprochene Hilfe blieb aus. „Der war gar nicht da, sondern in Bayern“, erinnert sich Gerti.

Neuanfang zuhause

Die Wirtschaftskrise hatte zwischenzeitlich auch die Ferieninsel erreicht – die Arbeitslosenquote war merklich gestiegen. Und ohne Spanisch-Kenntnisse, so stellte sich heraus, war es trotz der vielen dort lebenden Touristen unmöglich, einen Job zu bekommen. Statt lange zu  fackeln zog Gerti die Konsequenz aus dieser Situation … und buchte einen Rückflug nach Deutschland. „Ich hatte nichts mehr. Das Auto, Möbel, Kleidung … alles verkauft. Ich hatte noch nicht einmal mehr eine Gabel, als ich wieder in Deutschland landete.“ Dank hilfsbereiter Freunde und vor allem ihrem eigenen Engagement hatte sie nach einem Jahr wieder alles, was sie brauchte: Eine Wohnung, Möbel, ein Auto. „Und alles war bezahlt.“

Auszeiten auf Raten

Jetzt genießt Gerti die Auszeiten, in denen sie für Wochen und Monate in fremden Ländern reist, andere Menschen und Lebensweisen kennen lernt. Allen, die vom Auswandern träumen, gibt sie den Rat mit auf den Weg, erst einmal die Landessprache zu lernen. „Nur, wer die Landessprache wirklich beherrscht, hat Aussichten auf einen Job und damit eine Perspektive in einem fremden Land.“ Und wenn das nicht klappt … bleiben immer noch die kleinen Auszeiten.

 

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